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Mein Leben in Gott (Autobiografie)

Auszüge aus dem Buch des Meisters „Mein Leben in Gott“ (Autobiografie)

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Kindheit als Kosmos

Seit meiner Kindheit habe ich den Kosmos und alles, was damit zusammenhängt, geliebt. Meine Generation wuchs in den 70er und 80er Jahren mit ständigen Fernsehsendungen über den Start von Raumschiffen, internationalen Raumstationen und heldenhaften Kosmonauten und Astronauten auf, die den Weltraum erobern. Weltraum-Science-Fiction und Science-Fiction-Literatur über die Erforschung anderer Planeten waren ein beliebtes Thema unserer Gespräche auf dem Hof und in der Schule. Jules Verne, Alexander Belyaev, Isaac Asimov, Arkadi und Boris Strugatzki, Kir Bulytschоw, Ray Bradbury - diese Bücher haben eine ganze Generation meiner Altersgenossen geprägt. Die kommunistische Ideologie brachte trotz all ihrer Übertretungen den Geist des Fortschritts in den Menschen zum Ausdruck und förderte die aktive Erforschung des Weltraums.

In der Schule erzählte uns der Geschichtslehrer, dass in 20 Jahren der Kommunismus vollständig aufgebaut sein würde, dass bald Stützpunkte und Raumstationen auf dem Mond, dem Mars, der Venus und anderen Planeten errichtet würden und dass es eine dauerhafte Transportverbindung zwischen dem Mond und der Erde geben werde und wir als jüngere Generation uns darauf vorbereiten müssen.

Damals war niemand über solche Dinge überrascht, jeder sagte es, jeder glaubte es und hielt es für selbstverständlich. Andererseits habe ich selbst die Welt der Menschen und die irdische Realität immer als etwas sehr Kindisches empfunden, und als ich aufwuchs, wollte ich ernsthaft Kosmonaut werden, von der Erde wegfliegen, um andere Welten zu erkunden und den grenzenlosen Weltraum zu betrachten. Das Weltall mit seiner kosmischen Kälte, Unendlichkeit und Jenseitigkeit entsprach am besten meinem inneren Seelenzustand. Daher war die Wand über meinem Schreibtisch mit Porträts von Yuri Gagarin und anderen Kosmonauten, Fotografien des Sternenhimmels, des Mondes und anderer Planeten des Sonnensystems bedeckt.

Ich stellte auf Basis der Zeichnungen der Zeitschrift „Junger Techniker“ ein Teleskop her, um stundenlang den Himmel, den Mond und die Sterne zu beobachten. Ich betrachtete dies als meine Zukunft, weil ich spürte, dass die irdische Realität nichts für mich war. Sie kam mir langweilig, fade und bedeutungslos vor. Von den Filmen mochte ich nur Science Fiction, wo es um Kosmos, außerirdische Wesen und grenzenlosen Raum ging. Meine Freunde und ich diskutierten stundenlang darüber, wie wir zu anderen Planeten gelangen werden, wie wir das außerirdische Leben erforschen und möglicherweise gegen außerirdische Kreaturen kämpfen werden. Auf der Erde zu bleiben, wie ein kleiner Mensch zu leben, nach irdischem Glück zu suchen - diese Aussicht hat mich überhaupt nicht angezogen. Gleichzeitig begann ich, Fantasy-Geschichten zu schreiben und sie an die Zeitschriften wie den „Pfadfinder“ zu senden. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich bald den endlosen Raum in mir selbst entdecken und wirklich ein echter Weltraumwanderer werden würde und dafür keine Flugschule, kein Trainingszentrum für Kosmonauten, keine Rakete oder Raumanzüge brauchen würde ...

Wie fing es mit dem Mystischen in meinem Leben an?

Es war 1973. Ich wurde sechs. Ich lebte in einer Wohnung eines fünfstöckigen Gebäudes am Ort meiner Geburt, der Stadt Lozovaya in der Nähe von Charkow. Es war keine besondere Stadt, aber sie hat mich damals sehr angezogen. Womit? Mit den lebhaften Gerüchen, dem Leben der einfachen Leute, mit einer Art kindlicher Naivität der Provinz. Mit dem großen Bahnhof, mit der Eisenbahn, der Brücke darüber, mit dem ständigen Hupen der Signalhörner der Züge und der Stimme des Zugansagers.

ich war naiv und die Stadt war naiv mit mir.

Der Staub auf dem Bürgersteig nach dem Regen im Sommer roch großartig. Meine Mama liebte mich mit ganzer Seele. Und mein Vater fuhr mich gerne mit dem Fahrrad zum Kindergarten. Meine Oma, die Mutter meines Vaters, die ich sehr liebte, kam oft mit Geschenken aus einem zwanzig Kilometer von der Stadt entfernten Dorf zu uns. Fast alle unsere Verwandten lebten in dieser Stadt - meine Großtante, meine Tanten, Onkel, Paten, Cousins. Auch die Freunde meines Vaters, die ich nicht wirklich kannte, aber sie alle kannten mich gut, was mich damals wunderte. Mein Vater arbeitete in einer Druckerei, meine Mutter studierte Buchhaltung und arbeitete als Kranführerin.

Der Frühling ist gekommen. Der lang erwartete Umzug fand statt. Meine Familie, das heißt mein Vater und meine Mutter, sind zusammen mit mir auf Anraten meiner Tante, der Cousine meines Vaters, von Charkow in die berühmte Stadt Sewastopol gezogen. Mein Vater sagte, dass wir hauptsächlich meinetwegen umgezogen sind, da er glaubte, ich müsse in einer anständigen und großen Stadt studieren und mich entwickeln, und meine Heimatstadt Lozovaya war seiner Meinung nach zu einfach und zu klein dafür. Ich mochte die neue Stadt, aber die Gegend selbst war nicht sehr gut. Es war ein altes Viertel mit Privathäusern und engen Gassen, fünf Kilometer vom Meer entfernt. Das Haus war alt, aber ich mochte es, weil es auf einem Hügel stand. Es gab mehrere Schuppen, und oben, im zweiten Stock, gab es einen großen Innenhof mit einem Weinberg und einem schönen Blick auf die Stadt von oben. Darüber hinaus begann mein Vater, mit Begeisterung das Haus umzubauen und zu renovieren. Er plante, den Weinberg zu erweitern und eigenen Wein herzustellen. Mein Vater stellte für mich ein Reck in den Hof und hängte einen Boxsack daran, damit ich sportlich aufwachsen konnte.

Mein Vater trat in eine Militäreinheit ein, um als Michman (Stabsbootsman) an der Basis von Torpedobooten als Leiter eines Chemielagers zu dienen. Beim ersten Mal war ich überrascht, ihn in einer Militäruniform zu sehen. Die Mutter bekam einen Job in einer Radiofabrik.

Ich lernte schnell die einheimischen Kinder kennen. Wir hatten unsere Lieblingsplätze zum Spielen - Wiesen zwischen Bäumen. In einer Lichtung befand sich ein großer Felsbrocken.

Wir spielten Fußball und andere Spiele wie auch Wettkampfspiele für Abzeichen, Münzen und Bonbonpapier. Nach einer Weile wurde ich eine Art Kommandeur, da ich ständig etwas erfand. Manchmal saß ich nach den Spielen auf dem großen Stein auf unserer Wiese und die Kinder setzten sich neben mich. Als ich auf dem Stein saß, erzählte ich ihnen völlig unerwartet vom Weltraum, von anderen Welten, dem Universum, der Unendlichkeit in uns, dass unsere Welt sehr begrenzt ist und dass es andere Welten gibt und dass alle Menschen bedeutungslos leben, da sie nicht danach streben, diese innere Unendlichkeit zu verstehen. Ich forderte sie auf, über die Unendlichkeit nachzudenken, obwohl es so schien, als hätte ich selbst mit meinen Gedanken nicht wirklich verstanden, wovon ich sprach. Ich fühlte es nur in mir und dachte nicht darüber nach.

Eines Tages saß ich nach einem Spiel am Rand der Lichtung und entspannte mich. Plötzlich öffnete sich mein Geist, als würde ich mich an etwas Vergessenes erinnern. Ich fühlte eine außergewöhnliche Einheit mit dem gesamten Universum und der Glückseligkeit, die in mir floss. Für eine Weile wurde ich die Lichtung, die Büsche, die Kinder, der Weg, die Häuser und alles, was ich sehen konnte. Es war so ungewöhnlich, dass ich erstarrte und Angst hatte, mich zu bewegen. Meine Freunde riefen mich zum Spielen, aber ich musste alleine bleiben, um diese Erfahrung nicht zu verlieren. Ich sagte, ich müsse nach Hause und ging in mein Zimmer. Die Eltern waren nicht zu Hause. Ich holte den Schlüssel aus dem Versteck hinter der Tür, trat ein und ging die Treppe hinunter. Der Zustand verschwand nicht, im Gegenteil, er vertiefte sich. Ohne ihn zu verlieren, spazierte ich im Hof herum und ging unter die Markise. Plötzlich erlebte ich mein Ich-Gefühl als etwas so Gigantisches, Globales, Unverständliches, Ewiges und Endloses, dass es mir den Atem raubte und in meinen Ohren hörte ich etwas wie ein Klingeln oder ein Pfeifen.

Ich erstarrte und stellte mir die Frage: Was ist das Ich? Ich konzentrierte mich stark auf mein Ich und war mir einige Zeit sehr genau und deutlich bewusst: „Ich.“ „Das bin Ich." „Ich bin!"

Als ich in diesem "Ich bin"-Moment war, sah ich seine allumfassende, alles durchdringende Subtilität, und als ich sie sah, trat ich sofort tiefer in sie ein. Ich spürte, wie sich diese Subtilität in mir ausdehnte und immer mehr Raum einnahm. Diese Ausdehnung hörte für weitere fünfzehn Minuten nicht auf. Sie rief Freude und Ehrfurcht hervor. Ich hatte keine Angst, sondern blieb einfach darin und genoss das Ungewohnte. Es kam mir sehr bekannt und wertvoll vor. Es schien, als hätte ich einfach vergessen, was ich immer wusste, und jetzt würde ich mich wieder erinnern.

Seit diesem Moment sind achtunddreißig Jahre vergangen, aber ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Dieses „Ich bin" hat sich überhaupt nicht verändert, ist nicht verschwunden, nur ist es viel flexibler, kraftvoller und tiefer geworden.

Diese Erinnerung eröffnete eine völlig neue Phase in meinem Leben. Ich fing an die Spiele andere Kinder und das Erwachsenenleben mit seinen Problemen und Werten von der Seite, von außen zu betrachten. Danach konnte ich nicht mehr derselbe bleiben. Nach dieser Erfahrung bin ich schnell, sehr schnell gereift. Alles, was sich zuvor in meinem kindlichen Geist angesammelt hatte, wurde befreit und für dieses neue und große Ich verlassen. Dieses Ich war die Essenz des gesamten Göttlichen im Universum. So fühlte ich mich. Von diesem Moment an, wo immer ich war, stand dieses „Ich bin" wie ein majestätischer Raum zwischen mir und der Welt und ging nirgendwo hin. Es gab allmählich, sanft und unauffällig die Richtung meines Lebens vor und drang in jede Ecke davon ein. Es begann mich sanft, aber streng und tapfer durch das Leben zu führen und trennte mich von all dem auf der Welt, was es nicht war. Es verstärkte sich jedes Mal, wenn mein Geist wieder mit Gedanken oder äußeren Dingen spielen wollte. Nichts konnte mich seitdem fesseln, da dieses „Ich bin" immer zwischen mir und jeder Erfahrung gestanden hat und ihre illusorische Natur aufzeigte. Ich bekam sozusagen meinen Prüfstein, mit dem ich jedes Gefühl, jedes Ereignis untersuchen konnte. Dies machte mich zu einem distanzierten Beobachter des Lebens. Anstatt das Leben zu erleben, fühlte ich mich wie jemand, der es beobachtet.

Es gab jedoch eine Frage, die mich noch einige Zeit beschäftigte: „Wie kann ich mit diesem neuen Zustand im Körper eines Kindes leben?“ Wie gehe ich zur Schule, lerne, benehme mich gegenüber meinen Eltern, mit diesem Etwas, das sich fest in mir niedergelassen hat? Immerhin war ich noch sehr jung, und was sich in mir herauskristallisierte, war viel mehr als meine Eltern, meine Schule, meine Freunde und überhaupt als die ganze Welt! Aufgrund der Leichtigkeit meines Charakters löste ich diese Frage intuitiv für mich ganz einfach: Ich begann, dieses Etwas immer und überall zu verbergen, so gut ich konnte. Um es geheim zu halten, habe ich gelernt, bei Bedarf fleißig verschiedene Rollen zu spielen – die eines guten Sohnes, eines idealen Grundschülers und dann eines Jung-Pioniers, eines Freundes, Sportlers usw. All dies schien mir ein lustiges geheimes Spiel zu sein, ähnlich dem Spiel der Spione, und ich liebte es zu spielen, ich liebte es sehr. Das Spiel, das geheim gehalten wurde, wurde schließlich für mich zur Hauptlinie in meinem Leben. Seitdem hatte ich gewissermaßen aufgehört, als Kind zu leben, und begann freudig und irgendwie überhaupt nicht mehr kindisch zu spielen. Das Spielen für andere begann mein Leben reibungslos zu füllen.

Ich war spontan von unglaublichem Glück erfüllt, das nie und nirgendwo verschwand. Mein Geist wurde sehr klar und nicht auf kindliche Art stark, mein Charakter veränderte sich auch, ich wurde fröhlich, flexibel, leer, distanziert und sehr unabhängig. Für mich waren Erwachsene als Autorität verschwunden.

Meine Energie veränderte sich ebenfalls - sie stieg oft stark nach oben und verursachte Hitze im Körper. Meine Eltern bemerkten dies, als ich manchmal zuckte und zitterte. Sie machten sich sogar Sorgen, weil sie dachten, ich hätte eine Störung, und brachten mich zu einem Arzt. Der Arzt machte die Instabilität in der Kindheit für alles verantwortlich und empfahl, ein Kiefernbad zu nehmen, den Körper mit Wasser zu therapieren und mit einem groben Handtuch abzureiben. Meine liebevolle und fürsorgliche Mutter hat mehrere Jahre lang (!) – vom siebten bis zum zehnten Lebensjahr – alle diese Verfahren und Empfehlungen für mich sorgfältig befolgt. Aber ich war absolut normal! Ich war übernormal. Ich spielte, manchmal amüsierte ich mich damit, dass ich beim Fußball und anderen Spielen den anderen Kindern absichtlich, aber unauffällig verlor. Ich habe Spielzeug mit ihnen getauscht, nicht zu meinen Gunsten, sondern um sie fröhlicher zu machen. Es war mir egal, ich war glücklich und blieb unerschütterlich im "Ich bin"-Raum. Jedoch spürte ich, dass um mich herum andere „Ich-bin-Wesen" waren, die eins mit mir waren. Und diese anderen Ichs wünschten sich etwas, wollten etwas, strebten danach, etwas zu bekommen. Ich dachte: „Warum sollte man ihnen nicht ein wenig davon geben, wenn wir alle eins sind?“ Aber ich hörte auf, auf den Felsbrocken zu klettern und den Kindern von der Unendlichkeit zu erzählen. Das neue Bewusstsein, das sich in mir öffnete, war zu unaussprechlich, transzendent und großartig. Es waren nicht mehr die Kinder, die von ihm hören mussten, sondern Erwachsene mit gesenktem Kopf, im Glauben, in der Ehrfurcht und in der Stille. Oder sie sollten davon gar nicht hören. Ich entschied mich dafür, ein gewöhnliches, spielendes Kind zu bleiben, das weise war. Ich denke, wäre ich jetzt, in unserer Zeit, ein Kind, würde man mich ein Indigokind nennen. Aber zu dieser Zeit, der Sowjetzeit, waren die Bezeichnungen für alle Kinder bereits vorbestimmt ...

Als ich, schon als Erwachsener, das Buch „Sei, was du bist“ von Bhagavan Sri Ramana Maharshi las, war ich verwundert und begeistert darüber, auch über die darin enthaltene Biographie von Sri Ramana. Das Buch beschrieb genau, was mir im Alter von sechs Jahren passiert war, wenn auch vielleicht nicht so radikal wie bei Sri Ramana. Aber es beschrieb nicht nur dieselbe Erfahrung, sondern verwies auf die gesamte traditionelle Philosophie und Methodik von Advaita, die sich um diese Erfahrung herum entwickelt hatte. Daher war es für mich keine Frage, Advaita als Lehre zu wählen oder nicht. Advaita hatte mich, ohne zu fragen, schon längst erwählt, selbst als Kind. Also hatte ich dabei nichts zu entscheiden.

Die Glückseligkeit des Lebens und die große Mutter

Es war 1975. Ich wurde acht Jahre alt. Ich war in der zweiten Klasse der Schule Nr. 5. Auf Anraten meines Vaters hatte ich mich im Stadion „Möwe“ in die Sambo-Judo-Gruppe des Meistertrainers Viktor Tikhonovich Belozerov angemeldet. In der Schule habe ich nur die Noten „gut“ und „ausgezeichnet“ bekommen, aber mein Verhalten war nicht sehr gut. Meine unbändige Energie führte zu ständigen Streichen und natürlich zu Einträgen in mein Tagebuch, die ich zusammen mit meinem Freund Kolya durch verschiedene geschickte Methoden gekonnt eliminierte. Streitigkeiten mit meinen Eltern waren für mich sinnlos. Er und ich hatten unseren eigenen besonderen geheimen Platz - eine Mulde und einen Busch auf einem Hügel auf dem Weg von der Schule nach Hause. Dort vergruben wir die aus den Tagebüchern gerissenen Seiten, die mit der roten Tinte der Lehrer bedeckt waren. Es gab Dutzende dieser Seiten! Die Lehrer und Eltern wussten wahrscheinlich nicht einmal davon, aber es war alles so einfach: Man kauft ein neues leeres Tagebuch, reißt alte Seiten heraus, löst die Büroklammern, fügt neue Seiten ein, schreibt den Stundenplan neu, legt alte Daten fest - und alles ist sauber! Kinder sind viel schlauer als Erwachsene, besonders wenn diese Kinder meditieren ...

Mein Geist war innerlich ruhig, aber meine enorme Energie suchte nach einem Ventil. Ich versuchte, im Schuppen meines Vaters selbst ein Flugzeug zu bauen, ignorierte alle Verbote und stieg immer wieder in die Schächte, Luftschutzbunker und unterirdische Gänge, die sich neben dem Haus befanden, plante eine Polarexpedition mit Hundeschlitten zum Nordpol, um nach Spuren des berühmten Polarforschers Roald Amundsen zu suchen. Ich ermutigte die Kinder, ein echtes Boot aus einem benachbarten Kindergarten an Gurten zu ziehen, es im Meer zu Wasser zu bringen, zu reparieren, mit Rudern und Waffen (Flaschen an Katapultgurten) auszurüsten und wie echte Piraten aufs Meer hinauszufahren, Schiffe anzugreifen, um sich ihre Schätze anzueignen und in einer Höhle zu verstecken (was wären Piraten ohne Schätze in Höhlen?). Die Jungs und ich wollten auf das Gelände der bewachten Radiofabrik gelangen, um ein Metallgehäuse und Teile zu bekommen und daraus einen riesigen Flugroboter mit Raketen in der Brust zusammenzubauen, wie bei dem Giga-Roboter aus dem damals kultigen japanischen Zeichentrickfilm „Ghost Ship“.

Meine Eltern mussten sich ständig über meine sprudelnde, überfließende Fantasie wundern.

Ich war auch gierig nach dem Lesen. Ich las unersättlich alle Bücher, die es in der Bezirks-Kinderbibliothek gab. Manchmal konnte ich an einem Abend ein Buch mit sechshundert Seiten durchlesen. Nach einem derartigen Lesen intensivierten sich meine Erfahrungen mit Meditation und Samadhi sofort, wenn ich mich danach irgendwo hinsetzte oder hinlegte.

Gerade deshalb las ich gerne Bücher. Die Bibliothekare bezeichneten mich als das am meisten lesende Kind in dem Bezirk und ich erhielt oft Preise von ihnen als bester Leser. Sie organisierten sogar so etwas wie Ausstellungen (Präsentationen, wie man heute sagen würde), an denen ich teilgenommen habe, bei denen ich im Unterricht mit Kindern sprach und über die Bücher erzählte, die ich gelesen hatte. Ich erinnere mich, wie ich über eine Reihe wundervoller Kinderbücher von Alexander Wolkow wie „Der Zauberer der Smaragdstadt“ und „Urfin Deuce und seine hölzernen Soldaten“ berichtete.

Seit meinem ersten Erwachen waren zwei Jahre vergangen. Ich begann starke Energieströme in meinem Energiekörper zu spüren. Diese Ströme bewegten sich wie Bäche entlang der Kanäle und verursachten ungewöhnliche Glückseligkeit, Wärme und Kribbeln im ganzen Körper. Diese Glückseligkeit durchdrang mich jedes Mal, wenn ich in der Schule an einem Schreibtisch saß, ging, aß, badete, las, spielte, Musik hörte und selbst wenn ich etwas berührte. Manchmal führte es zu einer Bewusstseinserweiterung, manchmal nicht. Manchmal war mein Geist eins damit, aber manchmal kam es und war wie getrennt von mir. Manchmal, wenn ich meine Freunde begrüßte und sie berührte, gab es ein leichtes Knistern und sie sagten, dass sie einen Stromschlag bekamen. Allergewöhnlichste Dinge bereiteten mir ein subtiles, entzückendes Vergnügen, so dass ich das Gefühl für Zeit und Raum verlor. Ich wollte immer ohne Grund allein sein, tanzen, singen, scherzen. Ich war mehr als glücklich mit mir selbst alleine. Beim Erleben der Glückseligkeit suchte ich nichts, fragte nichts, wollte nichts und war immer begeistert. Wonach sollte ein Kind noch suchen, dessen Geist dem Kosmos ähnelt und dessen Körper bis zum Rand voller Glückseligkeit ist? Nur nach dem Alleinsein, damit sich niemand einmischt, keiner mich ablenkt.

Diese Glückseligkeit war für mich sowohl ein berauschender göttlicher Wein als auch gleichzeitig ein Stolperstein, da es eine große Verlockung war, daran festzuhalten, sich selbst zu vergessen und vollständig darin zu ertrinken. Ich konzentrierte mich ständig unwillkürlich darauf, mein Geist blieb stehen, und ich wurde von ihm bis zur Vergessenheit absorbiert. Manchmal versuchte mein Verstand, die Glückseligkeit mit etwas Äußerem und Konkretem zu verbinden, aber meine innere Leere rebellierte sofort und zeigte schnell, dass dies der falsche Weg war. Dann stimmte der Verstand gehorsam zu und die Glückseligkeit öffnete sich dem endlosen inneren Raum, vereinte sich mit ihm, was ihr Lebendigkeit und Freude verlieh. Ich war erfüllt von enormer Energie, die buchstäblich von innen herausdrang. Ich konnte oft die ganze Nacht wandern, ohne müde zu werden. Als ich älter wurde, lernte ich, dass es in den Lehren des Tantrismus spezielle Methoden gibt, mit der Energie der Glückseligkeit zu arbeiten, wenn der Yogi lernt, sich auf das ästhetische Genießen zu konzentrieren – auf den Genuss zu essen und zu trinken (Asvada Dharana), Musik zu hören (Shabda Dharana) und ganz allgemein auf alles, was Freude macht (Manastushti Dharana). Aber damals habe ich es intuitiv gemacht. Intuitiv und effektiv!

Diese Glückseligkeit, die Tag und Nacht mit der inneren Leere verbunden war, löste in mir alles auf, was ich vorher für mein Ich gehalten hatte. Diese Auflösung, bekannt als Laya Yoga, passierte mir in einem so frühen Alter, weil ich diese Praktiken bereits in früheren Inkarnationen praktiziert und darin Erfolg hatte. Als ich bereits ein Erwachsener war, ein reifer Sadhu, erkannte ich, dass es die Große Mutter selbst gewesen war, die universelle Kraft (Shakti), die mich von der Kindheit an durch ihre Ananda- und Hladini-Shakti, die Energie und Kraft der Freude und der Glückseligkeit, führte, segnete und prüfte. Die große göttliche Mutter, die universelle Kraft hat mich immer geliebt, behütet und beschützt. Ich habe ihre große Liebe immer gefühlt. Es ist schwer zu erklären. Sie fütterte und hütete mich wie ihren geliebten Sohn. Ich fühlte ihre sanften und feinen Hände immer und überall. Ihre Liebe war immer und ist jetzt noch genauso die mütterliche Liebe. Sie liebt dich selbstlos, rein, von ganzem Herzen, nur dafür, dass du bist, ohne zu begründen oder zu urteilen. Und wenn sich jemand traut, ihr geliebtes Kind zu beleidigen, wird sie, wie jede Mutter, ohne Begründung, ohne Analyse, sofort für ihr Kind eintreten und bereit sein, den Täter mit ihrem schrecklichen mütterlichen Zorn zu verbrennen. Davon war ich viele Male überzeugt - die große göttliche Mutter hat sich immer um mich gekümmert und mich beschützt. Sie macht es auch jetzt. Ich betrachtete auch meine irdische Mutter als Manifestation dieser selbstlos liebenden universellen Mutter. Die Liebe und der Segen der großen Mutter durchdringen mein ganzes Leben, aber in diesen Jahren begann ich sie wahrzunehmen.

Ich fühlte mich immer mehr zu einem exzentrischen Verhalten, zum Herumziehen, zum Einsiedlertum hingezogen. Zur Ablehnung von allem, was in der Gesellschaft gab, von allen Normen, Konzepten und Regeln. Ich wollte nicht so, wie die Menschen es halt sind, sein.

Irgendwie gelang es mir vor dem Hintergrund der enormen Glückseligkeit, das Gefühl des Raumes, „Ich bin", das Gefühl der universellen, kosmischen Präsenz und des Bewusstseins, das mich immer von innen heraus lehrte, nicht zu verlieren. Es lehrte mich Flexibilität, Aufmerksamkeit, Sensibilität und Subtilität. Als ich in diesen Raum hineinhörte und ihm vertraute, behielt ich Angemessenheit, Klarheit und Flexibilität bei und erlebte Glückseligkeit. Ich erlaubte mir nicht, mich darin zu verlieren und süchtig danach zu werden.

Ohne es zu wissen, überwand ich so die erste Falle, die den Yogi auf dem Weg zur Befreiung erwartet – die Glückseligkeit.

Meine Glückseligkeit unterwarf sich meiner inneren Leere und wurde eins mit ihr. Als sie schmolz, analysierte mein kindlicher Geist eines Zweitklässlers immer mehr das Leben und stellte sich Fragen:

Was ist Gott?

Was ist die Welt?

Was ist die Gesellschaft?

Was ist die Autorität der Erwachsenen?

Was bedeutet das Sein?

Was sind Kultur, Tradition, soziale Werte, Ethik und Moral für jemand, der zum höheren Selbst erwacht ist?

Meine innere Leere kannte schon lange alle Antworten auf diese Fragen, sie hatte diese einfach nicht klar und deutlich ausformuliert, bis der Verstand sie extra danach fragte. All das sind Träume in einem Traum. Ich wusste: Wenn ein Erwachsener mindestens ein Fünftel meiner Erfahrungen erleben würde, blieben von seinen Meinungen und Überzeugungen keine Spur mehr übrig.

Ich schlief nicht mehr und blieb 24 Stunden am Tag wach, ich brauchte keine Meinung schlafender Menschen. Das Göttliche, das in mir erwachte, war für sich selbst ein Wert, eine Meinung, eine Moral, eine Ethik. Ich konnte nicht anders, als diesem Göttlichen zu folgen, konnte nicht anders, als mir selbst zu folgen. Ich konnte mich nicht vom Göttlichen getrennt vorstellen. Alle Illusionen der Gesellschaft - die kommunistische Kultur der jungen Pioniere, die säkularen Ethik und die traditionelle elterliche Moral - verließen mich, und ich stützte mich nicht mehr auf sie. Die Autorität der Eltern, Lehrer, Bücher und was soll ich sagen, der gesamten Außenwelt – sie verblasste vor der Erfahrung dieses großen „Ich bin". Tag und Nacht war ich in dieses höchste Selbst versunken. Mein Geist war frei, ich war voller Glück und ich wurde ständig von Gedanken besucht: Wozu brauchte ich die Gesellschaft und ihre Ziele? Höchstwahrscheinlich kann ich es niemandem erklären - dachte ich mir.

Einsamkeit, Alleinsein auf den Höhen des Geistes, der Verlust aller Hoffnungen auf das geringste Verständnis der ihn umgebenden Menschen - das ist das Schicksal jedes Sadhu. Dies ist der unvermeidliche Preis für das Erwachen. Das habe ich sehr früh gemerkt.

Ich war bereit, diesen Preis zu zahlen und noch viel mehr, um zu sein, wer ich war.

Loslösung von der Welt - Kraftort - Samadhi

Das Jahr 1980 ging zu Ende. Ich war dreizehn. In der UdSSR hatte gerade die grandiose Moskauer Olympiade stattgefunden. Deren Abschluss ging mit großer Begeisterung einher und beeindruckte alle Erwachsenen, die ich kannte. Zu diesem Zeitpunkt hatten meine Eltern endlich eine neue Wohnung in dem sich im Bau befindlichen Bezirk „Ostryaki“ erhalten. Mein Vater war zehn Jahre auf der Warteliste gewesen, um die Wohnung zu bekommen, und hatte schon einen Brief an den Generalsekretär des KPdSU-Zentralkomitees, Leonid I. Breschnew geschrieben, da er Sekretär der Parteiorganisation der Militäreinheit war. Vorher vereinbarte er deswegen auch einen Gesprächstermin bei dem Kommandeur der Flotte. Für die Tatsache, dass er ohne Wissen seiner Vorgesetzten diesen Termin vereinbart hatte, erhielt er als Soldat sogar eine Disziplinarstrafe von der Leitung der Militäreinheit. Ich habe oft gehört, wie mein Vater und meine Mutter darüber gesprochen haben. Für einige Jahre war dies ein wirklich „politisches“ Problem in unserer Familie. Schließlich endeten diese Strapazen und mein Vater erhielt die lang erwartete Bestätigung für die Wohnung. Wir zogen um.

Nach den Vorstellungen von mir und meiner kleinen Schwester war die Wohnung groß und luxuriös - drei Zimmer, ganze neunundvierzig Quadratmeter! Nachdem wir eingezogen waren, bevor es da Möbel gab, spielten wir oft im großen Zimmer Fußball. Dieser Umzug hat irgendwie mein weiteres Schicksal beeinflusst. Die Wohnung befand sich im neunten Stock eines neunstöckigen Gebäudes. Dieses Gebäude hatte die Form eines Kreuzes. Und noch mehr - dieses kreuzförmige Haus befand sich am höchsten Punkt der Stadt, auf einem großen Hügel. Von diesem Ort aus war die ganze Stadt auf einen Blick sichtbar. Ich überprüfte meine Annahme viele Male und betrachtete diesen Ort aus verschiedenen Blickwinkeln und überzeugte mich davon, dass dies so war. Wir waren umgezogen, um auf dem höchsten Punkt der Stadt zu leben! Ich fühlte, dass dies definitiv ein Kraftort war. Nur an diesem Ort zu bleiben, war schon eine Meditation für mich. Meine Meditation intensivierte sich. Ich hatte normalerweise meine Meditationserfahrungen abends oder vor dem Schlafengehen und ohne irgendein Bemühen darum. Später erfuhr ich, dass viele spirituell Suchende nach solchen Erfahrungen streben und fleißig Anstrengungen dafür unternehmen, aber zu dieser Zeit war es für mich genug, bequem auf dem Bett im Kinderzimmer zu sitzen - und alles passierte von selbst.

Ich verlor den Sinn für den Körper und stürzte mich jenseits dieser Welt in den Nirvikalpa Samadhi. Damals kannte ich diesen Begriff nicht einmal, ich verstand nur, dass mir etwas Großes passierte, das nicht in das Bild der Welt der einfachen Menschen passte, etwas, das niemand kannte und verstand. Ich erlebte solch unglaubliche Dimensionen jenseits von Namen und Formen, um die mich viele gute Yogis, die in Höhlen leben, heute noch beneiden würden. Diese Erfahrungen haben mein Leben komplett verändert und mein Ego aufgelöst. Ich fühlte mich unendlich einsam, meine Freunde, meine menschlichen Lebensziele verschwanden, ich verlor jegliches Interesse daran, mit Gleichaltrigen zu spielen, zu studieren, die Ziele und Rollen im Leben anzustreben, die meine Eltern aussuchten. Meine Spielfreunde und Klassenkameraden wuchsen auf, sie begannen sich aktiv für modische Dinge, Mädchen und Autos zu interessieren und machten begeistert Pläne für die Zukunft. Sie träumten davon, wie sie an Universitäten studieren, Familien gründen und einen Job bekommen würden. Ich erinnere mich, dass es damals unter ihnen als prestigeträchtig galt, auf Fernreiseschiffen ins Ausland zu fahren.

Sie trafen sich und gingen in Discos, zum Fußball, besuchten Bierbars und bildeten sich ein, erwachsen zu sein. Im Gegensatz zu ihnen löste ich mich immer mehr von sämtlichen Verbindungen und Beziehungen. Ich spürte klar die Illusion, Falschheit und Nutzlosigkeit all dessen und wusste, dass die Erfahrungen, die ich in mir machte, alle menschlichen Pläne und Werte vollkommen sinnlos erscheinen lassen würden. Ich verstand klar, dass die Wege und Werte der menschlichen Welt nicht meine Wege und Werte sind. Auch meine Umgebung veränderte sich. Ich distanzierte mich von fast allen meinen Freunden und Klassenkameraden, da sich unsere Werte und Ziele im Leben stark unterschieden. Ich wanderte ziellos und ohne einen einzigen Gedanken durch die Stadt und fühlte mich vollkommen zufrieden. Zu dieser Zeit wurde meine Meditation natürlich, ich meditierte ständig, sogar im Unterricht in der Schule. Ich saß so am Pult, dass ich nicht einmal meinen Körper fühlte. Ich musste mich nicht um die Meditation bemühen. Ich war darin. Sie umhüllte mich einfach, griff mich auf und trug mich weg, und ich widersetzte mich dem nicht. Danach, wenn die Meditation vorbei war, lebte ich einfach und behielt dieses Gefühl, wo immer ich war. Es war ein unglaublich freudiges und leichtes Gefühl, voller Begeisterung und sprudelnder Anregung, ein Spiel, bei dem man weiß, dass alles unwirklich und wie ein Traum ist, man gar nicht da ist, ohne dass es andere gäbe, aber alles zeigt sich auf wundersame Weise.

Manchmal, wenn ich in der Schule saß, entspannte ich mich und schaute in den Raum. Ein starkes Feuer stieg durch meinen Körper, begleitet von Kribbeln und Glückseligkeit und dann trat eine starke Bewusstseinserweiterung auf. Ich saß in der Klasse und konzentrierte mich auf einen Punkt, hörte die Stimme des Lehrers nicht und merkte nicht, was um mich herum geschah. Aus diesem Grund schauten mich meine Klassenkameraden seltsam an, da ich ihrer Meinung nach ziemlich seltsam war. So war es wirklich. Ich war so distanziert, dass es die Aufmerksamkeit aller um mich herum auf sich zog. Aber das störte mich nicht sehr. Ihre kleinen Ziele und Probleme erschienen mir lächerlich. Trotzdem verstanden alle, dass ich auf seltsame Weise etwas wusste, was sie nicht wussten, und respektierten mich. Manchmal, wenn Klassenkameraden ein Problem mit den Lehrern oder sogar dem Schulleiter lösen mussten, kamen sie zu mir, um sich Rat zu holen. Ich war in diesem Alter nur deshalb adäquat geblieben, weil ich bereits meinen inneren Unterschied spürte und Erfahrung mit der Loslösung von der Welt hatte. Ich konnte mit der Welt und anderen Menschen spielen. Ich habe mir klar und deutlich die Grenze zwischen mir und meinen Erfahrungen, allen Menschen sowie dem Rest der Welt gezogen. Und habe sie nie verletzt.

Ich verfasste sogar eine Kurzgeschichte mit mir selbst in der Titelrolle, in der ich diese Situation beschrieb. Es gab dort Zeilen wie diese, ich erinnere mich auch jetzt noch an sie:

„Er war ziemlich jung, aber er fühlte sich als wäre er tausend Jahre alt. Seit seiner Kindheit stellte er fest, dass er sich nicht dafür interessierte, wie das Leben der Menschen um ihn herum aussah. Diese Grenze zwischen ihm und den Menschen wurde vor langer Zeit von ihm gezogen, ohne viel nachzudenken, zu zögern und Ängste dabei zu haben. Es gab keine Missverständnisse oder Streit in Beziehungen, keine Konflikte mit Menschen. Er hatte sie nun einmal als eine natürliche Tatsache akzeptiert. So wie man die eigene Augen- oder Haarfarbe oder den Regen draußen ohne Kommentare als ganz natürlich hinnimmt. Es ist eine Tatsache, dass Menschen eben Menschen sind, und er war anders. Sie haben ihr eigenes Leben, er hatte sein eigenes. Vielleicht war auch er ein Mensch (höchstwahrscheinlich war er das), aber ein anderer, kosmischer, überirdischer, mit anderen Genen oder so.

Diese Andersartigkeit wirkte auf ihn selbst so übermäßig, dass er nicht daran denken konnte, sie mit einem seiner Verwandten oder Freunde zu besprechen.

Es war viel einfacher für ihn, sie zu verstecken, sie sorgfältig unter dem Deckmantel von Normalität, Träumerei oder sogar einem charmanten, fröhlichen Kerl, einem guten Freund, jemandem, der Karriere macht, oder einem Everybody´s Darling zu verbergen. Es gibt viele möglichen Masken und Rollen in dieser Welt! Er wusste eines gut: Unter Menschen muss man wie ein Mensch leben, in der Lage sein, wie die anderen Menschen zu sprechen und so zu tun, als ob man sich für das interessiert, wofür sich die Menschen eben interessieren. Man sollte sich unter keinen Umständen verraten, da nicht klar ist, wie das enden kann ...

Wie ich meinen Satguru kennenlernte

Es war 1987. Mit ungefähr neunzehn Jahren, in meinem dritten Ausbildungsjahr, fühlte ich mich auf dem Höhepunkt meiner energetischen Form. Dies manifestierte sich in der Tatsache, dass ich anfing, laute innere Geräusche zu hören (Anahata-Nada). Diese Geräusche waren schon in der Kindheit aufgetaucht, nun aber einfach ohrenbetäubend geworden. Sie begleiteten mich ständig, wo immer ich war, und übertönten manchmal sogar die umgebende Realität, so dass ich mit Willensanstrengung zuhören musste, was die Menschen sagten. Das Geräusch im rechten Ohr erinnerte an das Summen eines Transformators, im linken wirkte es wie ein Morsecode. Manchmal verwandelte sich das Geräusch im rechten Ohr in ein Bienensummen und im linken Ohr verwandelte es sich in eine Melodie. Dies war ein Zeichen für den Beginn des Samadhi oder für das Erscheinen eines hohen spirituellen Wesens in der Nähe. Diese Klänge, Geräusche wurden ein Teil meines Lebens, aber ich kümmerte mich nicht wirklich um sie, weil ich wusste, dass es so sein sollte. Diese inneren Geräusche schienen die ganze Welt zu durchdringen, jeder externe Klang löste ihren Start aus.

Ich lag, konzentrierte mich auf diese Geräusche und betrat den feinstofflichen Körper. Ich liebte es, in außergewöhnliche Welten zu fliegen, die wie ein gemusterter bunter Brokat aussahen. Mein Atem verlangsamte sich und hörte dann ganz auf. Ich folgte den Geräuschen entlang der Muster dieses Brokats, die zu anderen Dimensionen führten. Wenn ich durch sie reiste, entdeckte ich immer tiefere Geheimnisse der Weltgestaltung. Nach der Rückkehr skizzierte ich die außerirdischen Muster und Welten, die ich auf diesen Reisen sah. Ich habe mehrere hundert solcher Zeichnungen gesammelt.

Zum ersten Mal hatte ich den Klang von Anahata-Nada vor vielen Jahren als Kind erlebt, als ich ihm Liegen meditierte. Nada-Geräusche tauchten plötzlich in beiden Ohren auf und waren sogar draußen, beim Gehen zu hören. Im linken Ohr war es ständig zu hören, und, wenn ich mich darauf konzentrierte, wuchs es zum donnernden Schlagen einer Glocke an. Rechts hörte ich ein eintöniges Summen, das manchmal zu einem lauten Knirschen wurde, das ich kaum ertragen konnte. Ich hörte diese Geräusche ungefähr zwei Jahre lang ununterbrochen und jetzt erschienen sie wieder und verstärkten sich. Einmal, im Alter von zwölf Jahren, wurden diese Klänge in der Meditation ungewöhnlich stark und drückten sich buchstäblich in meinen Körper, der sich nicht bewegen konnte. Ich konzentrierte mich auf den Klang rechts und auf den Zentralkanal, versuchte meine bewusste Präsenz nicht zu verlieren und vereinte mich mit dem Klang. Das Geräusch wurde zu einem ohrenbetäubenden Brüllen, plötzlich hörte ich von irgendwo oben einen Donnerschlag, so etwas wie einen donnerndes „j-a-a …, j-a-a ...“. Dieses donnernde Brüllen verwirrte mich, der letzte Gedanke, der mir in den Sinn kam, war, dass mir vielleicht dieses kosmische „Ja“ die Tür zum Samadhi öffnen würde und dass dies eine donnernde, positive Antwort meines höheren Ichs auf alle meine Fragen auf dem Weg der spirituellen Suche wäre. Danach verlor ich das Körperbewusstsein und fühlte mich wie in einem unvorstellbaren Klangraum schwebend. Es war ein spiralförmiger Raum, der wie ein aufgerollter Brokat funkelte und sich in eine endlose Weite erstreckte, die nicht visuell, sondern wie Klang, Vibration, empfunden wurde. Mein Bewusstsein bewegte sich entlang dieses Brokats, begleitet von wunderbaren Melodien und melodischem Klingeln, bis ich plötzlich das Selbstgefühl, das Gefühl von Innerem und Äußerem verlor. Ich war in diesem unvorstellbaren Raum, ohne Ober- und Unterseite, ohne Farbe, Geschmack und Geruch, und ich erkannte mich als reines Bewusstsein ohne einen einzigen Gedanken. Diese Erfahrung veränderte meine gesamte Praxis radikal. Als ich in den Körper zurückkehrte, konnte ich jeden Tag viele Stunden im Samadhi verbringen.

Das alltägliche Leben, Studium und Dienst, ging wie gewohnt weiter. Die Prüfungen waren bestanden. Vor uns lag ein Praktikum, dann Urlaub! Ein lang ersehnter Urlaub. Alle Kadetten warteten auf das Praktikum auf einem Schiff, auf eine Pause vom täglichen anstrengenden Studium in den Klassenzimmern und von den Übungen in den Kasernen. Wir haben dieses Praktikum als Vorbereitung auf den Urlaub wahrgenommen. Jeder wollte sich wirklich entspannen, zumindest vorübergehend die frische Luft der Freiheit und neue Eindrücke einatmen. Der lang erwartete Moment war gekommen. Wir bekamen Trockenrationen für die drei Tage lange Zugfahrt, Wasserflaschen, tropentaugliche Sommerarbeitskleidung für Reisen in heißen Klimazonen, einschließlich Hausschuhen mit Löchern. Es war unsere erste Mittelmeer-Ausfahrt und die erste weite Auslandsfahrt per Schiff überhaupt. Danach sollten wir die Abzeichen „für einen langen Marsch“ erhalten. Und dieses Abzeichen war unter Seeleuten, Kadetten und sogar Offizieren hoch angesehen. Wir wurden detailliert über die bevorstehende Route und die zu erledigenden Trainingsaufgaben informiert. Wir mussten von Kronstadt aus starten, ins Mittelmeer fahren, eine große Runde drehen, die ganze Zeit Navigationsarbeit leisten, die Kunst der Navigation studieren, durch den Bosporus und die Dardanellen in die Türkei fahren, dann nach Varna, einem Ferienort in Bulgarien, da sollten wir liegen, und von dort aus nach Sewastopol gehen, wo unsere Kampagne endete. Nach dem langen Marsch wurden wir auf Befehl des Hochschulleiters in das vierte Jahr versetzt. Wir haben auf diese Versetzung sehnlichst gewartet. Nach den alten Kadettenstandards war ein Kadett im vierten Studienjahr so etwas wie ein Minister in einer Beziehung zu einem König. Es blieb nur noch ein Jahr bis zum Abschluss! Im vierten Jahr war es nicht mehr nötig, die vielen Einschränkungen und Regeln zu befolgen, denen wir Jüngeren bisher folgten. Zum Beispiel wohnten Kadetten im vierten Jahr nicht mehr in Räumen für dreißig Personen, sondern in abgetrennten Räumen für zwei Personen, durften jeden Tag in die Stadt gehen und hatten im Allgemeinen einen sehr freien und unabhängigen Lebensstil. So kam es uns vor. Aber wie falsch wir lagen!

Drei Tage lang fuhren wir im Zug, in einem reservierten Sitzwagon, mit Witzen, Geschichten und Liedern mit einer Gitarre nach Leningrad. Dann zogen wir nach Kronstadt und bestiegen erfolgreich das Trainingsschiff "Chesma". Das Schiff war nicht neu, aber ziemlich groß und war speziell für die Ausbildung von Marinekadetten entwickelt worden. Wir (unsere Klasse) waren auf dem Unterdeck in zwei Kabinen (je ca. 15 Mann) untergebracht. Hier begann für uns die „heiße Jahreszeit“. Es sah so aus, als hätten die Offiziere beschlossen, uns einen Vorgeschmack auf den Seedienst zu geben. Schicht um Schicht, Checks, Nachtwachen und Küchendienst während der Nachtschicht fielen so aus, dass wir nicht einmal atmen konnten.

In den drei Jahren Kadettenausbildung hatten wir einiges erlebt. Die mühsame Arbeit in der Kombüse, die Wachen, die ständigen Arbeitsaufträge am Sonntag und die schlaflosen Nächte waren für uns nicht neu. Wir waren keine Neuankömmlinge, nicht verwöhnt. Wir wurden von den Offizieren sehr eng geführt. Drei Jahre Dienst und Studium hatten uns erzogen und aus den Schulkindern von gestern zu willensstarken, erfahrenen Männern gemacht. Aber das hier war auch für uns Erfahrene schon ziemlich unmöglich. Die Kommandeure stellten uns auf dem Oberdeck auf und überprüften uns elf- bis fünfzehn Mal am Tag. Ich habe mitgezählt. Eineinhalb Monate lang haben wir drei, dreieinhalb Stunden am Tag geschlafen, da es jeden zweiten Tag Nachtkurse in Navigation und Schiffsführung und dann Nachtarbeit in der Kombüse gab. Und manchmal, dank der Stundenverteilung des Befehlshabers Zelenezky, der die Stundenpläne aufstellte, fielen der nächtliche Unterricht mit der Nachtarbeit in der Küche zusammen und es gab fast keine Zeit zum Schlafen. Dazu kamen noch die ständige, drückende Hitze und das laufende Schaukeln auf den Wellen. Und dazu noch Konflikte mit lokalen hochrangigen Wehrpflichtigen, die auf dem Schiff dienten, während der Warteschlangen vor der Kombüse und während des Aufräumens, da sie uns als Passagiere betrachteten und ihre Respektlosigkeit zeigten. Es kam nicht zu Kämpfen, aber es machte auch keine Freude. Wir hatten einen Kalender an der Wand in unserem Cockpit und strichen die Tage darauf aus. Tja, so hatten wir uns ein Praktikum auf einem Schiff und eine lange Reise überhaupt nicht vorgestellt. In der Schule konnte man zumindest gut ausschlafen. Ich weiß nicht, vielleicht waren dies die Pläne unserer Kommandeure, die vor dem vierten Jahr beschlossen, es uns zu zeigen, und uns eine harte Lektion im Schiffsleben und in der Überwindung von Schwierigkeiten auf See zu erteilen. Oder es war einfache Fahrlässigkeit, aber wir kippten buchstäblich von den Füßen. Trotzdem äußerte niemand Unzufriedenheit, niemand wimmerte.

„Muss sein!“. Dieses Wort hatten wir vom ersten Tag der Ausbildung an gelernt zu verstehen. Dies war der Dienst und jeder wusste, wo er war und wer er war. Dies wurde jedem von uns im ersten Jahr klargemacht. Wir warteten nur, bis alles vorbei war.

Als wir am Ende der Kampagne aus dem Mittelmeer hinaus und durch das Schwarz Meer von der Türkei nach Bulgarien fuhren, stellte ich einmal fest, dass meine körperliche Kraft nachließ. Trotzdem beobachtete ich wie immer leidenschaftslos alles, was um mich herum geschah, und war innerlich glücklich. Mein Geist war ruhig und fest, aber mein Körper und meine Energie waren erschöpft. Ich wandte mich innerlich dem unendlichen Göttlichen zu, das mich im Leben immer leitete und inspirierte. Es war kein Schrei einer verzweifelten Seele, nein, ich hatte vor langer Zeit im Alter von sechs Jahren vergessen, was Verzweiflung war, aber es war ein starker Gebetsruf, eine Frage in den Raum, in die Leere, ohne Zweck und Hoffnung. Ich wollte verstehen: Ist das alles notwendig? Was ist mein Weg in der Außenwelt? Was ist meine Rolle? Wie lange muss ich noch mitspielen? Ich lag auf einer Koje auf der zweiten Ebene in einem überfüllten heißen Cockpit im Unterdeck des Schiffes und schlief ein. Ich sandte einen starken Impuls in den umliegenden Raum und bat um spirituelle Hilfe und Führung. Bevor ich einschlafen konnte, hatte ich eine erstaunliche Wachvision. Darin sprach ich mit einem Weisen, den ich, wie es mir schien, schon lange, sehr lange gekannt hatte. Der Weise hatte leuchtende Augen und bestand aus außerirdischer, strahlender Energie. Er sagte mir, dass er meinen Ruf gehört und auf ihn geantwortet hätte. Er fügte hinzu, dass er mich schon lange kennen und mich ständig beobachten würde, da wir schon mehr als ein Leben lang miteinander verbunden wären. Der Weise sagte, dass er und ich eins seien und dass ich mir keine Sorgen machen solle, dass wir uns bald treffen würden und sich mein Leben sich bald ändern würde. Ich schlief ein und wachte am Morgen sehr inspiriert und gleichzeitig verwirrt auf. Wer ist er? Wie konnte er mich kennen? War das ein Spiel meiner Fantasie, von der Müdigkeit verursacht?

In der nächsten Nacht wiederholte sich die Vision. Es war eine vollwertige bewusste Wachvision, in der ich wieder ein echtes Gespräch mit dem Weisen führte. Er sagte, dass ich bald ein Lehrer für andere Menschen werden würde, also müsse ich selbst viel lernen, auch von ihm. Er sagte, dies wäre durch mein Schicksal vorherbestimmt, aufgrund des früheren Karmas, und er könne dies alles deutlich sehen. Und vor allem, dass wir uns bald auch in der Realität treffen würden. Ich stellte dem Weisen noch viele Fragen über meinen zukünftigen Weg und er erzählte mir viel und ausführlich darüber. Ich sagte, dass ich das Leben eines Sadhu führen möchte, aber jetzt noch hierbleiben müsse, weil ich an Versprechen gebunden sei. Er antwortete: „Mach dir keine Sorgen, du gehst sicher deinem Ziel entgegen. Du wirst noch eine gewisse Zeit als Offizier dienen und dann den Dienst verlassen, um als Sadhu zu leben. Und dann wirst du lehren, du wirst ein spiritueller Lehrer, ein Guru.“ Ich hörte ungläubig zu. Das kam nicht in meinen Plänen vor, ich träumte nur davon, ein Einsiedler zu werden.

Der Weise sagte auch, dass ich schon seit meiner Kindheit viel wissen würde. Ich hätte dieses Wissen dank der spirituellen Praxis, die ich in der Vergangenheit gemacht hatte. Obwohl ich jetzt äußerlich wie ein weltlicher Mensch aussähe, hätte ich keine Wünsche und würde die Wahrheit kennen. Aber ich müsse meinen Weg weiter fortsetzen. Er sagte weiter, dass die Sowjetunion bald verschwinden würde, der Sozialismus auch, und sich grundsätzlich alles auf der Welt ändern und auch Russland anders sein würde. „Und du“, nickte er mir zu, „wirst bald die gewöhnliche Welt verlassen und ein echter Yogi werden, ein Mönch, ein Sadhu. Du wirst lange Zeit als Einsiedler alleine leben, viel meditieren und dann den Menschen in Russland den Weg der Erleuchtung zeigen.“ Er fuhr fort: „Du wirst viele Schüler haben und die Mission erfüllen, für die du geboren wurdest - den Dharma zu lehren, den Weg für Menschen in Russland und auf der ganzen Welt zu eröffnen.“ Er fügte hinzu, dass er mich für diese Mission segne. Der Weise sagte, dass er mir immer helfen würde, weil es eine besondere Verbindung zwischen uns gäbe, aber es sei zu früh, um darüber zu sprechen. Es wäre besser, vorerst noch nichts darüber zu sagen. „Das wird später sein“, fuhr er fort, „jetzt bist du noch nicht bereit, du musst dein Karma bereinigen. Du musst Offizier werden, viel lernen, auch das weltliche Leben kennenlernen, das Spiel der Hoffnungen und Enttäuschungen, des Leidens und der Suche nach der Wahrheit durchlaufen. Du brauchst das nicht, weil du ein Einsiedler werden willst und nichts Irdisches dich interessiert, oder?“

Er kopierte spielerisch meine Ausdrücke, als würde er meine geistigen Einwände sehen.

„Andere werden es brauchen. Du musst dies für andere durchmachen, die zukünftigen Schüler. Anderenfalls reicht deine Erfahrung nicht aus, um sie zu führen und diese Welt zu verändern. Wenn du jetzt alles aufgibst, wirst du ein guter Yogi, aber du wirst diese Welt und das Denken der westlichen Menschen nicht verstehen. Du wirst dich nicht beweisen können, wie es für deine Mission notwendig ist. Die Welt steht vor einer großen Veränderung und für dich ist eine Rolle in diesem göttlichen Spiel vorgesehen. Du musst diese Mission annehmen und geduldig Lebenserfahrungen sammeln.“ Dann sagte der Weise, dass mein Offiziersdienst genau dann enden würde, wenn ich genug Erfahrungen hätte, aber nicht früher. Erst danach würde ich ein Yogi. Wäre ich Yogi, würde ich diese Gelegenheit nicht mehr haben, da ich sehr weit von der Welt und den gewöhnlichen Menschen entfernt sein würde. Er sagte weiter, dass mein Weg der Weg eines Mönchs (Sannyasin) sei, aber da ich noch nicht nach Indien kommen könne, segnete er mich hier und jetzt auf diesem Weg. Er sagte, dass ich bald anfangen würde, nach den Idealen des Sannyas zu leben und mein voller Name im Sannyas Swami Vishnudevananda Maharaj sein würde. Er würde viel später zu mir kommen, und bis ich das Sannyas-Gelübde ablege, würde ich als Avadhuta, als Einsiedler, als Mönch leben und als Swami Vishnu Dev bekannt sein. Er segnete mich, als Sadhu zu leben, und sagte, dass ich vor nichts Angst haben und nichts bezweifeln solle. Der Weise sagte auch, dass wir uns bald in der physischen Realität treffen würden. Aber bis dahin ich dürfe mit niemandem darüber sprechen und solle meinen Weg geheim halten, da sonst Hindernisse entstünden und der Segen seine Kraft nicht zeigen würde.

Ich hörte zu und ein Teil meines Geistes weigerte sich, daran zu glauben, denn „so etwas gibt es nicht“, aber ein anderer Teil nahm es ganz ruhig auf. Was konnte mich nach meinen Meditationserfahrungen noch überraschen und verwirren? Visionen? Gespräche mit Superwesen? Hatte ich meinen Weg nicht schon seit meiner Kindheit unwiderruflich gewählt? Ich dachte noch eine Zeit lang nach, was ich antworten solle, ohne jedoch eine Idee zu bekommen, also fragte ich nur: „Wann wird das passieren?“ Er antwortete: „Bald, sehr bald.“ Dann bückte sich der Weise, rief mich beim Namen, blies mir ins Ohr, sprach ein langes Mantra in mein Ohr - „O-o-o-m“ - und berührte meinen Scheitel. Der Scheitel vibrierte voller Energie, eine Energiewelle stieg von unten, vom Steißbein her nach oben, durchzog die Wirbelsäule und stieg dann den Kopf. Ein helles inneres Licht blitzte im Kopf auf, es begann, im Hals zu kratzen, Tränen strömten aus meinen Augen. Ich tauchte in einen tiefen, gedankenlosen Samadhi ein. Die Kundalini-Energie stieg stark zum Gipfel an, so dass die Atmung aufhörte und der feinstoffliche Körper heraustrat. Er tätschelte mir den Rücken: „Es ist Zeit für dich zu gehen.“ Die Vision verschwand.

Ich war gleichzeitig begeistert und verlegen und dankte dem Heiligen. All dies inspirierte mich zwar, jedoch überwältigte es mich nicht, denn als teilnahmsloser Beobachter befand ich mich wie üblich in einem Zustand des Spiels und in der Betrachtung des „Ich bin"-Zustandes, der Quelle der Realität. Am Morgen erzählte ich natürlich niemandem davon. Obwohl wir in unserem Team offen und freundschaftlich lebten und alles teilten - Schlafträume, Erfolge bei der Kommunikation mit Mädchen, Ressentiments gegen Kommandeure, Träume, hatte ich von Kindheit an eine Regel fest gelernt: Meine inneren Erfahrungen, meine spirituelle Praxis und Erfahrung, meine wahre Lebenseinstellung sowie meine Weltanschauung sind tabu für andere, ein Geheimnis unter Geheimnissen, die mit sieben Siegeln verschlossen sind. Es war, ist und wird immer so sein. Man kann es nicht ändern, Menschen sind Menschen, Sadhus sind Sadhus.

Ich habe klar eine Grenze zwischen meiner Welt und dem, was um mich herum war, gezogen. Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Und die Grenzen zwischen den Welten zu verletzen, ist nicht gut, es verursacht ein Ungleichgewicht im Universum. Nur ein großer Heiliger oder eine große Gottheit hat das Recht dazu, im genauen Wissen darum, was zu tun ist, und dafür die volle Verantwortung zu übernehmen.

Um mich herum gab es 24 Stunden am Tag eine militärisch-kommunistische, materialistische, atheistische und skeptische säkulare Welt, eine Kultur, in der es keinen Platz für eine spirituelle Suche, Gott, Mystik, spirituelles Leben, Yoga sowie Lehrer und heilige Weise aus Träumen gab. Eine Erzählung über so etwas hätte zumindest Spott verursacht, und es war durchaus gut möglich, aus der Partei und der Hochschule rauszufliegen und von diesem Moment an für den Rest des Lebens als gewöhnlicher Matrose auf der Schwarzmeerflotte zu dienen. Im schlimmsten Fall wäre es auch nicht ausgeschlossen gewesen, zu einer Konsultation beim Psychiater geschickt zu werden, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Und das war überhaupt nicht Teil meiner Pläne, weil ich meinen Eltern versprochen hatte, Offizier zu werden und eine höhere Ausbildung zu bekommen. Und Versprechen müssen gehalten werden, was auch immer sie sein mögen. Für die eigenen Worte muss man die Verantwortung tragen - das habe ich von der Kindheit an gut gelernt.

Auszüge aus der Beschreibung eines mehrjährigen Retreats des Meisters

Dies ist die kausale Welt

28. Juli

Endloser Raum:

Tausende von Sonnen, Regenbogen und unzählige Gottheiten ...

Und das alles bin ich!

Jaya!

Ich setze mich in Meditationshaltung. Nach ein paar Minuten spüre ich Rotation und Schweben. Dann dehnt sich der innere Raum (Chid-Akasha) aus. Ich verschmelze mit diesem Raum. In diesem Moment hören mein Herzschlag und meine Atmung auf, ich verliere jedes Körpergefühl. Ich versuche mit aller Kraft, mir der Grenzenlosigkeit des unendlichen Raumes bewusst zu werden, in dem ich als reines Bewusstsein schwebe. Je stärker mein Bewusstsein ist, desto heller erscheint diese Welt. Erst ein mattes Weiß, dann ein helles Weiß, ein blendendes Weiß und zuletzt goldfarbig. Es ist ein Ozean aus weißem und goldenem Licht, in dem ich mich auflöse. Ich halte mein Bewusstsein in dieser Welt. Sie ist eine Welt ohne Formen. Die Welt des basalen Bewusstseins, der Beginn der materiellen Schöpfung. Die Welt der majestätischen Grundlage von allem Existierendem – anders kann man es gar nicht ausdrücken. In diesem Zustand gibt es keine Gedanken, keine Zeit. Es gibt einen unendlichen, unvergleichlichen, sich in alle Richtungen erstreckenden, leuchtenden Raum des reinen Bewusstseins. Ich verschmelze mit ihm und erlebe unvergleichliche Freiheit und Freude. Ich würde für immer in diesem großartigen Zustand bleiben, aber meine Konzentration lässt nach. Allmählich kehre ich zum oberflächlichen Bewusstsein zurück. Das Körpergefühl kommt zurück. Ich versuche, das Bewusstsein zu bewahren, das im Samadhi da war. Es gelingt, obwohl es fünf- bis sechsmal schwächer ist. Die Welt wird als unwirklich und fern empfunden. Eine Welt der Täuschung und des Leidens. Eine Welt, die durch Form und Materie begrenzt ist. Ich bin angewidert von ihr, obwohl ich weiß, dass dies falsch ist. Ich schaue auf meine Uhr – vierundzwanzig Stunden sind vergangen.

29. Juli

Ich wandere sorglos,

mit einem dummen Ausdruck

auf einem glücklichen Gesicht.

Ich bin ein lieber Vater

und ein alter Narr.

Ich bin der Herr der Welten

und ein Löwe unter den Buddhas.

Ich bin das Geheimnis des Universums,

das non-duale Brahman,

der aufgelöste Geist,

das strahlende Licht,

der Lehrer der Sterblichen,

der sich über sich unterrichtet.

Was für ein Wunder!

Was für eine Ekstase!

  Ich lebe in einer anderen Welt. Sie ist sehr erhoben und weit entfernt von der gewöhnlichen Wahrnehmung, der alltäglichen Aufregung. Sie ist transzendentale Weisheit, transzendentales Bewusstsein und transzendentale Glückseligkeit selbst. Der Denkprozess überschattet dieses Bewusstsein, also denke ich nicht. Anstelle von Denken: reines Bewusstsein. Entscheidungen werden mit Hilfe von Intuition getroffen und sind unfehlbar. Ich habe starkes Mitgefühl für die Menschen. Sie leben, handeln, leiden und täuschen sich, ohne sich selbst zu kennen. Um der Pracht des Absoluten willen lohnt es sich, alles zu verlassen, und egal, wie viel man aufgibt, ist dies ein geringer Preis. Schließlich sind die Wahrheit und die Praxis der Erleuchtung das einzige, wofür es sich zu leben lohnt.

 

30. Juli

 

Ehre!

Ehre!

Ehre sei dir, oh Herr!

Aber du – das bin ich.

Ehre!

Ehre!

Ehre sei mir!

Aber, ein Vorbeigehender, ich - das ist er!

Ehre!

Ehre!

Ehre sei dir, Vorbeigehender!

Jaya!

Jaya!

Jaya!

 

Schon seit drei Monaten bin ich in einem Zustand kontinuierlicher Bewusstheit. Als wäre ich ein zweites Mal geboren worden – kein Ego-Ich, sondern dieses neue Bewusstsein. In Indien werden Brahmanen „zweimal Geborene" (Dvija) genannt. Dies ist eine Tradition. Aber um ein Dvija zu werden, muss man es selbst erleben. Jetzt weiß ich genau, was es bedeutet, ein Dvija zu sein.

 

Nicht in einer Brahmanenfamilie,

nicht in der Antike,

und nicht in Indien,

mitten im Samsara,

unter gewöhnlichen Menschen,

spontan,

ohne Grund,

ist ein leuchtender lachender Buddha erschienen!

Was für ein Wunder!

 

Dieses neue Bewusstsein gibt ein enormes Gefühl von Glück und Freiheit. Ich habe vergessen, was Leid ist. Die Luft selbst scheint voller Freude zu sein. Jedes Objekt, jedes Ereignis rufen Begeisterung hervor, ganz ohne Grund. Das Leben hat sich in einen kontinuierlichen Strom von Bewusstsein und Freude verwandelt, und dies setzt sich im Schlaf fort. Ich wundere mich, wie ein solcher Zustand überhaupt möglich ist. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Schließlich haben wir Menschen, die in dieser schlechten Welt leben, uns daran gewöhnt, dass es Schwierigkeiten, Probleme und Leiden gibt. Dies wird als natürlich angesehen. Aus Sicht der Menschen kann das nicht anders sein. Ich lache fast ständig einfach so, aus Glück. Es drückt buchstäblich von innen her, da die Meditation immer ununterbrochen weitergeht.

 

Den Verstand verliere ich anscheinend.

An diesem Frühlingsmorgen freuen mich die Pfützen ...

Mein Gott, der Mond erscheint im Wasser.

Wie glänzt das blaue Perlmutt!

 

Dies ist die Stufe der Glückseligkeit.

Wie schade, dass den Menschen diese großen Zustände des Seins, diese anderen Welten nicht mal bewusst sind! Sie stecken in den säkularen Wünschen fest, kennen den Weg nicht, leben unbewusst und leiden. Aber genau hier ist der Ozean des Glücks. Er wird niemals erschöpft sein. Man muss nur mit aller Kraft üben. In mir entsteht ein starkes Verlangen, zum Wohle anderer dem Weg der Erleuchtung zu folgen.

 

3. August

 

Ich habe mich selbst erkannt,

und werde nur mich selbst ab jetzt verehren.

Ich bin der König auf der Erde,

ich bin der König auch im Himmel.

Ich bin ein Buddha – unter hunderttausenden Buddhas ...

 

Mir ist klar, wie sehr sich mein Bewusstsein von der Welt der Menschen gelöst hat. Es gibt nichts außer der Meditation. Auch energetische Prozesse interessieren mich nicht besonders. Ich stellte fest, dass ich es verlernt hatte, im üblichen Verständnis der Menschen zu denken, die ständig im Inneren mit sich selbst reden. Wenn der Geist benutzt werden musste, war er sehr scharf und stark. Ich nutze ihn, um mich auf Sutras zu konzentrieren. Dies lenkt vom Überbewusstsein ab, weil man sich auf etwas Äußeres konzentrieren muss. Es ist jedoch notwendig, um Fortschritte in der Praxis zu erzielen. Ich konzentriere mich fünfzehn Stunden lang ohne große Schwierigkeiten auf die tiefgründigen non-dualen Sutra-Texte. Im Schlaf, nachts, denke ich weiter in Slokas aus den Sutras und bin mir meiner selbst voll bewusst. Durch diese beharrliche Praxis ist mein Sadhana noch einen Schritt weitergekommen. „Ich bin schon DAS, bin in DEM, warum danach streben? Alles ist nur DAS – Brahman! Ich bin nicht vom wahren Selbst, dem Absoluten, getrennt! " Das Ego ist nur eine Illusion, man muss sich selbst aufgeben, den eigenen Willen und das Verlangen nach irgendetwas aufgeben. Wie ein trockenes Blatt am Baum werden, das sich dem Willen des Windes ergibt. Sich nicht ausdrücken. Mich gibt es nicht, weder in dieser noch in der astralen noch in der kausalen Welt. Alles ist Gott, das höchste Parabrahman!

 

Schau in den Spiegel

und bete Buddha an,

Zum Gott der Götter,

Herr der tausend Welten.

Gelingt es nicht?

Gehe zum Altar ...

 

Ich wollte tiefer und tiefer in die Bedeutung der Worte und Sutras eindringen, indem ich darüber meditierte. Meine Persönlichkeit, das Ego, ist nur ein Bündel aus fixen Ideen, Meinungen anderer Menschen und vergangenen Erfahrungen. Es wird von anderen Menschen und der Gesellschaft geformt und ist nicht die Grundlage meines Lebens. Es ist leer, existiert im absoluten Sinne nicht. Man muss es loswerden. Es ist meine Persönlichkeit, die sich nach Unsterblichkeit, Befreiung, Erleuchtung und Ähnlichem sehnt. Aber auch diese hohen Wünsche sind Wünsche meiner Persönlichkeit. Solange es ein Ich als eine Persönlichkeit, als ein Ego gibt, kann die Erleuchtung nicht erreicht werden! Erleuchtung ist die Freiheit vom Ego, von der Persönlichkeit. Aufgrund des Wunsches, dies zu erreichen, wird es immer stärker, und daher ist das Erreichen unmöglich. Ein geschlossener Kreis ... Es ist, als wollte man sich an den eigenen Haaren aus einem Sumpf ziehen. Ich dachte viel nach und wusste nicht, wie ich aus dieser mentalen Argumentation herauskommen sollte. Man muss das Ego, die eigene Persönlichkeit, töten.

 

Glänzendes goldenes Brahman

sitzt auf dem Brahman,

hält Brahman in der Hand

und schreibt auf dem Brahman

über Brahman

für Brahman!

Es schreibt darüber,

dass alles Brahman ist,

dass es alles ist und darüber,

dass es dies schreibt!

 

Wir identifizieren uns mit den vergangenen Erfahrungen und übertragen sie durch die Erinnerung aus der Vergangenheit in die Gegenwart und durch Vorstellungen in die Zukunft. Dies erhält die Illusion unseres Oberflächenbewusstseins kontinuierlich aufrecht. In jeder Minute identifizieren wir uns mit einer Rolle in diesem Leben und sind somit gezwungen, Handlungen auszuführen, wir vergessen unsere wahre Natur. Eine Ursache führt zu einer Wirkung. Das Gefängnis ist in unseren Gedanken. Wir selbst fesseln uns mit vergangenen Erfahrungen. Lasse die Vergangenheit, deine Erfahrungen, verzichte auf dein Ich, sei hier und jetzt und die Freiheit wird kommen! Es drang plötzlich wie ein Blitz in mein ganzes Wesen ein. Ich hatte es gefunden! Ich wusste, dass es mich nicht gibt. Dies war eine sehr subtile Empfindung auf der Ebene des Überbewusstseins. Sie stellt alles in mir buchstäblich auf den Kopf. Es war wie eine neurochirurgische Operation im Geist. Der Verstand war verwirrt, als er feststellte, dass es ihn nicht gibt und niemals gab. Es gibt nur die Höchste Quelle, das Absolute, Parabrahman. Ich war in Unwissenheit als ich mich als eine getrennte Person betrachtete, getrennt von ihm und von den anderen Menschen. Der Geist hatte ein falsches Zentrum geformt, das Persönlichkeit oder Individualität genannt wird. Von diesem Zentrum aus trifft er Urteile, die immer falsch sind, weil sie auf Unwissenheit (Avidya) basieren.

 

In einem zerbrechlichen Körper,

in einem engen Verstand,

in der Welt des Samsara,

unter den Menschen,

die darin herumschwirren,

hat ein weißer blendender Lichtblitz

sich in einen goldenen Ozean verwandelt,

und der Himmel flammte auf,

mit tausend fünffarbigen Regenbogen.

Es donnerte laut,

und tausende Melodien erklangen,

und tausende Gottheiten sangen „Ki-Jaya"

und stiegen vom Himmel herab,

um ihre Freude zu zeigen!

Und tausende Seelen inkarnierten sich auf der Erde,

um dem großen Dharma zu folgen,

und Schüler des goldenen Lichtozeans zu werden ...

 

Eigenen Willen auszuüben bedeutet, diese Unwissenheit zu stärken. Sich auszudrücken bedeutet, sich von der Wahrheit zu entfernen. Jetzt wusste ich, dass ich mich in der grundlegendsten, der wichtigsten Sache geirrt hatte! Dies sind nicht nur Worte, dies ist eine Revolution im Bewusstsein. Die Persönlichkeit ist für immer verschwunden. Schock, Schock und Erleuchtung - diese Worte spiegeln den Prozess, der im Bewusstsein stattfindet, nicht völlig wieder. Es war, als wäre ein riesiger Fels zusammengebrochen und hätte eine Quelle freigelegt. Dieses Erlebnis verblüffte und überwältigte mich durch seine Einfachheit und die Unmöglichkeit, es auf der Ebene des oberflächlichen Bewusstseins zu verstehen.

 

Ewiges Licht,

ungeborener Geist,

unzählige Welten,

und das Wunder der Wunder,

die Größe von tausend Buddhas,

und die Weisheit, die Lehre aller Kalpas,

alles ist gerade jetzt in dir.

Tat Twam Asi!

 

Dies war die stärkste und tiefgreifendste Veränderung in sechs Monaten Praxis. Obwohl aus energetischer Sicht alles ganz normal war – kein Anhalten des Herzschlags und der Atmung, kein Verlassen des Körpers. Das war es, was mein Leben nun definierte.

 

An diesem Tag

stiegen tausende von Buddhas

glänzend herab.

Rishis und Siddhis

haben es miterlebt.

Heute Morgen erschienen

Myriaden von Gottheiten,

mit ihren Palästen, mit ihrem Gefolge.

Diese Welt ist zum Himmel geworden!

 

Wenn es keine Persönlichkeit gibt, kein Ich, wenn man die Leere in sich selbst verstanden und erlebt hat, wer wird dann leiden, wer wird Erleuchtung erlangen? Es erscheint paradox, aber Erleuchtung kommt, wenn wir das Ich aufgeben, das nach Erleuchtung sucht. Jetzt gibt es mich, dich und andere Persönlichkeiten nicht, es gibt ein unendliches Bewusstsein, das in allem gleichermaßen vorhanden ist.

 

Und nun?

Jetzt bin ich Er!

Aham Brahmasmi!

Ich bin Das!

So-Ham! Ham-So!

Was soll ich jetzt tun?

Spielen und singen,

einfach spielen und darüber singen,

darüber wer ich bin ...

Ich bin so wundervoll!

 

Seitdem habe ich keine Lust mehr, mit jemandem zu kommunizieren, meinen Willen auszudrücken. Ich kenne die Sinnlosigkeit all dessen, und wenn es getan werden muss, so nur für andere. Das ist ein Spiel.

 

Ich bin Atman!

Du bist ich!

Verstehe und das war's!

Und wofür braucht man Worte?

 

Es gibt nichts zu bedauern, nichts zu suchen. Dies ist der Zustand absoluter Vollständigkeit, Ganzheit und Zufriedenheit. Jeder Moment des vergangenen Lebens ist vollkommen. Jedes Wesen hat Buddhanatur, in jedem gibt es das absolute höchste Bewusstsein. Alle sind Erleuchtete, Anhänger des Absoluten, Gottheiten und Heilige!

 

Letzte Entdeckung: Samsara ist Nirvana

 

13. August

 

Jemand rief mich,

hatte mich in der Menge der Passanten erkannt,

grüßte, nannte mich „junger Mann",

fragte, wie es mir ginge,

was ich zu tun und welche Sorgen ich hätte.

Ich antwortete:

Entschuldigung, ich bin so jung,

wie die Erde und der Himmel es sind,

und ein Mann bin ich,

genauso wie ein Gott.

Und ich habe viel zu tun und viele Sorgen,

zum Beispiel Welten zu erschaffen,

und diese Menge von Passanten ist auch mein Werk,

und auch der Markt, und Sie, und ich, und diese Unterhaltung ...

 

Alles, was ich in letzter Zeit machte, ist Meditation, beim Sitzen wie während des kontemplativen Gehens. Ich praktizierte drei Techniken: die Meditation der Leerheit, Atma Vichara und zwei Gehtechniken. Obwohl ich stark nach Erleuchtung und der Erfahrung der Natur des Geistes strebte, wusste ich nicht, wie sehr sie das Bewusstsein umstürzen, ahnte ich nicht, wie unfassbar die Samadhi-Zustände der Welt ohne Formen, die Erfahrungen der Nondualität und das Erleben des wahren Selbst sind. Gleichzeitig liegen diese Zustände sehr nahe beieinander. Jeder hat sie alle schon. Aufgrund unserer Unwissenheit und der Anhaftung an die weltlichen Wünsche und falsche Ansichten ahnen wir jedoch nichts davon. So ziehen wir eine elende Existenz in der Welt des Leidens vor, wo wir geboren werden und sterben müssen.

 

Ich bin den Heiligen und Lehrern, die mich geführt haben, so dankbar. Tatsächlich bin ich ein gewöhnlicher Mensch mit vielen Wünschen und egozentrischen Ideen. Dank der Lehrer konnte ich die Zustände erleben, die in den Sutras und Shastras als die höchsten Zustände der Verschmelzung mit dem Absoluten beschriebenen werden. Mein Bewusstsein veränderte sich in dieser Zeit sehr. Es wurde ganz anders. Das alte Ich verschwand irgendwo. Das Gehen, das Essen geschieht, als würde jemand anderer dies tun. Im Inneren breitete sich grenzenlos leuchtendes Bewusstsein der Leerheit und der Stille aus. Dies ist das Überbewusstsein. Es beobachtet alles. Es verlässt mich für keinen Moment. Es gibt jedoch Perioden, in denen es schwächer wird, wenn ich viel mit anderen kommuniziere und es zu einem Austausch von Karma und Energie im Astralkörper kommt. Während der Sitzmeditation und des Gehens nimmt es zu.

 

Meine letzten Erfahrungen machte ich am Ende des sechsten Monats des dritten Übungsjahres.

 

September 1994

 

Hört das Krachen und Donnern am großen Himmel!

Schließt euren Mund in ehrfürchtiger Demut!

Fanfare und Jubel ertönen sehr laut,

Buddha spricht: „Aham Brahmasmi!"

 

Es geschah unter normalen Umständen, d.h. im Wachzustand. Am Anfang stand eine lange Meditation. Ich war in einem Zustand großartigen, unendlichen Friedens. Er strömte tief in mich hinein, bis ich das Gefühl für Körper und Zeit verlor. Ich tauchte in einen unbeschreiblichen Zustand der Leere und des Lichts ein und löste mich vollständig darin auf.

Ich blieb ungefähr eine Stunde in diesem Zustand, obwohl es kein Zeitgefühl gab.

 

In diesem Zustand gibt es kein gestern, kein morgen, es gibt nur hier und jetzt. Es ist die Quelle von allem, das absolute, totale Erleben des gegenwärtigen Moments. Jeder Moment hier ist so vollständig und absolut, dass der Verstand nicht in Kategorien der Zeit denken kann und stehen bleibt.

 

Nachdem ich im Sitzen meditiert hatte, begann ich mit der Meditation im Gehen. Der Zustand blieb vollständig erhalten, obwohl ich äußere Objekte wahrnahm und ging. Die Welt fühlte sich unendlich fern und unwirklich an, ein majestätischer, endloser Ozean des Lichts und der Leere! Ich fühlte es direkt über meinem Kopf und war mir weiterhin jeden Augenblicks bewusst. Der Körper war fast nicht zu spüren, ich war mehr da als im Körper. Menschen, Straßen, Bäume, Berge – alles wirkte wie künstliche Dekorationen.

 

Ich gehe, Götter jubeln,

die ganze Erde erscheint

in himmlischer Pracht.

Über dem Kopf leuchten tausende Regenbögen.

Der Schöpfer tanzt,

in Gold gekleidet,

Arkaden funkeln,

Schlösser und Paläste glänzen,

Heilige singen und loben mich,

und ich gehe einfach

durch eine Menschenmenge ...

 

Während dieser Zeit erinnerte ich mich immer wieder daran, warum Shankara diese Welt eine Illusion nannte. Ja, die Welt, die unser Bewusstsein geschaffen hat: die Welt der Dualität, mit Subjekten und Objekten, die Welt der fixen Ideen und groben Objekte ist nichts im Vergleich zu dieser ursprünglichen, absoluten Welt. Sie ist nur ein blasses Spiegelbild. Das Manifestierte zu leugnen, sich nur auf die totale Leere zu konzentrieren, ist jedoch eine unvollständige spirituelle Erkenntnis.

 

Lichtkörner fallen vom Himmel,

Goldstrahlen erfüllen überall den Raum,

Götter und Buddhas,

mit ihrem Gefolge auf Prunkwägen,

bezaubernde Klänge und Lieder,

Throne, Blumen und Baldachins, Paläste

und Regenbögen unter der Kuppel

des klaren grenzenlosen Himmels.

Für mich gibt es ab jetzt nichts anderes zu sehen ...

 

Ich konzentrierte mich auf die mich umgebenden Objekte und auf meine Schritte und versuchte, das Unvereinbare zu verbinden: die volle Realität dieser Welt zu fühlen und dieses Bewusstsein einer grenzenlosen, ursprünglichen, glückseligen, uneingeschränkten Leerheit zu bewahren. Dieser Ozean des reinen Bewusstseins, den ich immer über meinem Kopf trug, begann herabzusteigen und alles um mich herum einzuhüllen. Er schien diese Welt voll und ganz durchdrungen zu haben, was ich zuvor nicht bemerkt und geleugnet hatte. Plötzlich, in einem Moment, änderte sich alles, so wie die Überlagerung von zwei Bildern als Effekt eine Interferenz mit holographischer Tiefe und Perspektive ergibt. Diese Welt schien zu leuchten, als würde sie von innen heraus mit etwas unendlich Wunderbarem und Unfassbarem bestrahlt.

 

Die Gottheiten bestreuen mich

mit goldenen Blumenblätter,

mit himmlischen Girlanden

schmücken sie mich,

den Unwürdigen,

ihm singen sie Lob,

demütig ehre ich die Gottheiten ...

 

Es war, als hätte sich eine zusätzliche Dimension an die Welt angedockt – die innere Bewusstheit. Objekte wurden nicht durch Sehen, Hören und Berühren wahrgenommen, sondern durch das Bewusstsein! Grobe Dinge bestanden aus reinem Bewusstsein, das von innen zu leuchten schien. Dies war das gleiche Bewusstsein, das ich in den Meditationen erlebte, wenn ich den Geist von groben Objekten entfernte und im Samadhi eintauchte. Jeder Gegenstand besteht aus Licht! Erde, Baum, Blume, Stein und Mensch sind absolut und grenzenlos! Es war eine sehr klare und starke Wahrnehmung. Sie war stärker als die gewöhnliche Wahrnehmung. Sie überraschte mich erneut sehr stark.

 

Paläste, Kuppeln,

Gewölbe, Bögen,

goldene Lotusblumen, Throne,

blendendes loderndes Licht überall!

Buddhas! Buddhas! Buddhas!

Edelsteine,

Musik der Devas,

Glanz von Helmen,

Blumengirlanden!

Tuniken, Kronen,

Regenbogen von tausenden Sonnen,

Heilige, Swamis, Rishis,

Sadhus und Yogis,

und ewige die Verkündigung des Dharma ...

 

Ich blieb stehen, ich setzte mich, und ich war mir dieses neuen Zustands kontinuierlich bewusst. Je tiefer ich mich damit beschäftigte, desto mehr Geheimnisse wurden mir offenbart. Sie übertrafen alles, was im menschlichen Geist und in der Vorstellungskraft denkbar war. Ich kann sie in dieser Beschreibung noch nicht offenbaren. Irgendwo auf der Ebene des Überbewusstseins (Karana Sarira) entstand ein klares Verständnis: „Wir sind nicht voneinander getrennt. Wir sind eine einzige leuchtende Masse von Bewusstsein, eine einheitliche absolute Substanz.“ Diese wird im Yoga Brahman oder im Buddhismus Nirwana genannt. Dies ist die echte Essenz des wahren Selbst. Die Individualität ist nur eine Fiktion, eine falsche Position, eine falsche Sichtweise.

 

„Du wurdest nicht geboren?

Du bist Brahman?

Herr der Welten?

Du bist aber sehr unbescheiden.“ -

So sagte jemand zu mir.

Und ich lachte,

weil ich er bin!

Also sagte ich das,

in seinem Körper,

zu mir selbst.

 

Ich untersuchte die unbedeutendsten Gegenstände und fühlte das höhere Bewusstsein in ihnen. Es war angenehm. Ich lernte auch, das Bewusstsein auf ein Objekt in dieser Welt oder in der astralen zu übertragen, mit ihm zu verschmelzen und sein Wesen nachzufühlen. Dies ist eine der Arten von Sahaja Samadhi. Es tut mir leid, aber ich bin nun kaum in der Lage, diese Erfahrungen mit Hilfe der menschlichen Sprache angemessen zu vermitteln. Dies war der ultimative Höhepunkt der mystischen Erfahrungen, den ich am Ende meiner einsamen Praxis erlebte.

 

Wer ist im Stande,

meine Größe zu beschreiben?

Wie kann man meinen Ruhm messen?

Zwischen Brahman und mir,

da gibt es keinen Unterschied!

Es war nur ein kleines Ich,

und wurde ein großes, riesiges Alles!

 

Diese Erfahrungen veränderten mein Bewusstsein deutlich. Es war weniger die Frage der Veränderung, sondern die Tatsache, dass ich aufhörte, als Person, als Mensch zu existieren. Ich hatte keine Gefühle im Kontext der menschlichen Persönlichkeit, keine Erlebnisse, Pläne und Ideen mehr. Es gab kein Leid und all das andere, was mit der Welt der Menschen verbunden ist. Es gab keine Vergangenheit. Ich plante nicht für die Zukunft. Es gab nur die totale, ultimative Gegenwart. Sie ist das höchste Glück, absolute, unendliche Glückseligkeit. Ich nahm diese Welt als „Nicht-Welt" und andere Menschen als nicht existent wahr. Erfahrungen werden nicht gesammelt und die Persönlichkeit ist unbeständig. Aber wenn ich mit anderen kommunizierte, versuchte ich, es zu verbergen, um sie nicht zu verwirren.

 

Ich gehe wie Brahman.

Ich rede wie Buddha.

Ich esse wie Atman.

Ich schlafe wie das große Licht.

Jedoch sehe ich aus wie ein Mensch.

Ja, ich bin groß!

Ja, ich bin Brahman!

König der Könige!

Herr tausender Welten,

ein gewöhnlicher Buddha.

Genau wie ihr auch!

 

Ich gewann ein unzerstörbares inneres Bewusstsein, das unabhängig von äußeren Bedingungen ist, das im Traumschlaf (swapna avastha) und im traumlosen Schlaf (sushupti avastha) fortbesteht. Die Wichtigkeit von Leben, Tod und Leid war verschwunden.

 

Nicht mehr nötig:

Mantras, Meditationen und Verbeugungen,

Pilgerfahrten, Pranayamas,

strenge Askese

und das Ansammeln guter Taten

in tausenden Kalpas.

Alles war so plötzlich ...

Genauer gesagt, ich war nicht da,

für einen Augenblick war ich nur weg,

und Atman blitzte auf,

strahlte und beleuchtete

unzählige Körper, Planeten und Lokas.

 

Die spirituelle Praxis hatte aufgehört, eine Praxis zu sein, obwohl ich sie fortsetzte. Dies war jetzt eine Art Spiel. Natürlich sind das nur Stufen, über die sich mehr und mehr Neues eröffnete. Der Prozess der spirituellen Entwicklung ist endlos. Bis man den Regenbogenkörper erlangt hat, wird der Weg weitergehen, alle Heiligen sagen dies so. Ich gehe diese Stufen weiter. Es gibt keinen bestimmten Endzustand für die Bewusstseinsentwicklung.

 

 

Begegnungen mit göttlichen Wesen

 

Begegnungen mit göttlichen Wesen sind ein unvermeidlicher Bestandteil unseres spirituellen Weges. Wenn wir eine spirituelle Praxis pflegen, beginnen wir früher oder später, Wesen aus anderen Dimensionen zu treffen - Gottheiten, Bewahrer unseres Universums, Geister, unsterbliche Siddhas, himmlische Tänzer (Apsaras), Bewahrer des Wissens (Vidyadharas), himmlische Musiker (Gandharvas), tantrische Zauberinnen (Dakinis) usw. Sie alle gehören zur Natur unseres Universums. Sie sind superintelligente Lebewesen, die lange vor dem Erscheinen des Menschen auf der Erde existierten. Sie alle sind eine Manifestation des überirdischen göttlichen Geistes, der große Geheimnisse und enorme Schätze enthält, die für einfache Sterbliche, für normale Menschen aufgrund ihres begrenzten Bewusstseins immer unzugänglich sein werden. Vielleicht glaubt man nicht an diese Beschreibungen, an die Existenz anderer Welten, göttlicher Wesen, Unsterblicher und Siddhas. Darauf antworte ich: Jeder kann dies anhand seiner persönlichen Erfahrung selbst überprüfen. Man muss nur die Skepsis, den Unglauben und die Faulheit überwinden und fleißig beginnen, sich unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers auf die spirituelle Praxis des Yoga einzulassen.

 

Beginne sofort mit der spirituellen Praxis. Ernähre dich vegetarisch, verzichte mindestens acht Jahre lang auf Beschäftigungen, die als Vergnügen betrachtet werden, wie Fernsehen, Medien, soziale Nachrichten, Unterhaltungen mit Freunden. Stehe im Morgengrauen auf, mache täglich Yoga-Asanas, Pranayama, Mudras, rezitiere Mantras, übe dich täglich fleißig in der Meditation, lenke den Geist auf heilige und göttliche Wesen, rufe den Segen des Gurus an. Mache es dir zur Regel, jeden Tag heilige Texte zu studieren, wie zum Beispiel Yoga Vasishtha, Tripura Rahasya, Avadhuta Gita, Viveka Chudamani. Lebe auf diese Weise einen Monat, sechs Monate, ein, zwei oder drei Jahre im Schweigen und beobachte die Stille, und du wirst sicher die mystische spirituelle Welt als eine andere Realität entdecken, in der es Gottheiten und Dämonen, Geister und Engel gibt und der feinstoffliche Körper so wirklich ist wie hier der physische.

 

Für mich sind all diese Erfahrungen absolut real, so wie unsere irdische Welt real ist. Ich glaube, dass dies der wichtigste Teil meines Lebens ist. In gewissem Sinne haben sie mich erschaffen, denjenigen, der jetzt Swami Vishnudevananda Giri heißt. Sie bestimmen meinen aktuellen Lebensweg und sind für mich die wertvollsten Erinnerungen. Hier werde ich nur einen sehr kleinen, spärlichen Teil dieser Erfahrungen darstellen und vorziehen, über den anderen, viel größeren Teil zu schweigen, gemäß der weisen Aussage des Heiligen Siddha Yogi Neem Karoli Baba: "Für Reichtum, Sadhana und Frauen gilt, dass sie verschwinden, wenn man mit anderen viel über sie redet." Egal ob das gefällt oder nicht, so sind die Gesetze des spirituellen Lebens, und ich habe sie immer respektiert, respektiere sie jetzt und werde sie immer respektieren. Die Welt der Sadhus, das Sadhana, ist eine sakrale Dimension, ein Geheimnis der Geheimnisse, und sie sollte nicht sehr enthüllt werden.

 

 

 

Darshan der Königin der Dakinis

 

Im Sommer 2003 schlief ich in „Divya Loka“ draußen, in einem sehr kleinen Ein-Personen-Zelt neben meinem Holzhaus. Im Traum habe ich die Dakini-Welt besucht. Das ist die Heimat vieler Lebewesen, die Menschen ähnlich, aber mit dem Dharma gewidmeten magischen Kräften ausgestattet sind. Sie hielten eine Ganapuja ab. Im Zentrum der Zusammenkunft saß die Mutter, die Königin der Dakinis, auf einem großen Thron. Sie war wunderschön geschmückt und nur bis zur Taille bekleidet. Die Königin sah aus wie die vereinten Göttinnen Lakshmi und Saraswati. Sie trug eine schöne Krone auf dem Kopf. Sie lächelte und strahlte Größe, Weisheit, Stärke und Ruhe aus. Um sie herum fand ein Anbetungsritual statt, nach dem tantrische Leckereien an alle Anwesenden verteilt wurde. Jeder näherte sich der Göttin und führte ein Ritual durch, das einer Arati ähnelte.

 

Ich stand unter anderen Anwesenden in einer Schlange und verstand nicht ganz, was ich in diesem Ritual tun sollte. Ein Flüstern ging durch die Menge: „Die Große Mutter verteilt Prasad und er schläft!“ Ich hörte es und dachte: "Ich schlafe nicht, ich bin wach, ich weiß einfach nicht, was ich tun soll." Jemand aus der Menge streckte mir seine Hand entgegen und reichte mir eine Notiz, die darauf hinweisen sollte, was ich tun musste. Zu diesem Zeitpunkt sagte jemand in der Nähe: „Wenn er schläft, wecken wir ihn auf.“ Mein Bewusstsein war wieder einmal empört: „Ich schlafe nicht! Ich bin wach, obwohl mein Körper schläft." Aber zu dieser Zeit rumpelte offensichtlich etwas, jemand beschloss, mich aufzuwecken. Als mein Bewusstsein in den physischen Körper einging, hörte ich einen Knall. Als ich mich mehr darauf konzentrierte, wurde mir klar, dass es ein Schuss war. "Wahrscheinlich hat jemand gejagt", dachte ich. Manchmal schießen Jäger in dem nahegelegenen Wald, in der Taiga, mit Gewehren. Dieser Schuss war jedoch so laut, dass er nicht aus dem Wald zu kommen schien, sondern aus der Nähe des Hauses. Ich stand auf und suchte, wer direkt neben meinem Zelt geschossen hatte, konnte aber niemanden finden. Dann dachte ich, dass dieser Klang offensichtlich nicht auf der Erde erzeugt wurde, sondern aus der Welt der Dakinis stammte, in der ich diese Einweihung erhielt.

 

 

Übertragung eines non-dualen Tantras durch eine zornvolle Dakini

 

Einmal saß ich nach meinem morgendlichen Sadhana in meinem Meditationsraum und vertiefte mich in das Studium des Textes eines wichtigen non-dualen Tantras. Der Text dieses Tantras wurde von Dakinis-Zauberinnen, erleuchteten weiblichen Wesen, an Siddhas in unserer Welt der Menschen weitergegeben. Dies geschah vor ungefähr tausend oder anderthalbtausend Jahren. Dieses Tantra hatte mich lange inspiriert und ich wollte endlich – sozusagen aus erster Hand – eine persönliche Übermittlung von denselben göttlichen Wesen erhalten.

 

Ich praktizierte ein Orakel, das sich als nicht ganz klar erwies, aber Erfolg zu versprechen schien. Danach führte ich die üblichen Reinigungsrituale durch, sättigte den feinstofflichen Körper mit der Energie des Wächters der Welt, Vishnu, umhüllte ihn mit der Schutzkraft der fünf Elemente, umgab mich mit Schutzkreis und -zelt, rief den Segen der Traditionslinie der Heiligen an und führte am Altar ein Opferritual durch. Nach ein paar Minuten Meditation sah ich günstige Anzeichen dafür, dass eine Übertragung möglich war. Nachdem ich mich in eine Meditationsgottheit verwandelt und entsprechende Absichten erschaffen hatte, ging ich mit meinem feinstofflichen Körper in die Welt der Dakinis, die non-duale tantrische Lehren praktizieren. Der Eingang in diese Welt befand sich visuell hoch oben. Eine Treppe führte dorthin, ähnlich einer Rolltreppe in der U-Bahn, deren Stufen sich von selbst bewegten, wenn man darauf ging. Um auf ihr fahren zu können, musste jedoch ein Opfer gebracht werden. Ich konzentrierte mich, manifestierte mehrere Goldmünzen und brachte sie zum Beginn der Treppe, warf sie einfach auf die Stufen. Die Treppe fuhr dann schnell hinauf und führte mich durch das Tor, das als Grenze zwischen den Welten diente – unserer und der Welt der Dakinis. Für einige Zeit war ich im Dunklen und konnte nichts in der Umgebung unterscheiden. Dann hörte ich eine Stimme, die das Tantra rezitierte, das ich brauchte und ging direkt in diese Richtung. Ich hörte den Klang, konnte aber nichts sehen. Nach einer Weile näherte ich mich der Quelle der Stimme. Das Sehvermögen kam wieder. Es war eine sitzende Dakini, ein weibliches Wesen, das doppelt so groß war wie ich. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das riskierte, sich einem Tiger zu nähern. Nach einigen Treffen mit den Dakinis lernte ich, ihre Energie fehlerfrei zu erkennen. Es schien mir, dass ich etwas mit dieser Klasse von Lebewesen gemeinsam hatte. Die Dakini schien auf mich zu warten. Anscheinend rezitierte sie dieses Tantra seit vielen tausend Jahren ununterbrochen. Der Klang des Tantra, der von ihren Lippen ausging, war sozusagen ihre Essenz, ihre Energie. Sie selbst war dieses Tantra, war sein Gefäß. Die Energie der Dakini war nicht menschlich, transzendent und sehr gelassen. Dies ist schwer zu erklären. So als würde man ein Gespräch mit einem superintelligenten Berg oder Planeten führen. Ich erinnerte mich an die Ethik und die Samayas, die in ihrer Welt respektiert werden. Nun, wie auch immer, wir sind alle Sadhus, wir folgen dem Weg, wir müssen alle etwas gemeinsam haben, etwas, das wir erkennen und verstehen, obwohl wir in verschiedenen Welten leben und verschiedenen Klassen von Wesen angehören.

 

Ich dachte, es wäre wahrscheinlich richtig, mich demütig vor ihr zu verneigen, Opfer darzubringen und um die Übertragung des Tantra zu bitten, wie wir es in der menschlichen Welt tun. Aber die Dakini schien nicht an den Feinheiten der menschlichen Etikette interessiert zu sein. Die Stimme, die das Tantra aussprach, ertönte weiter und parallel, unmittelbar, ohne Formalitäten und Zeremonien, begann zwischen uns ein mentaler Dialog.

Die Dakini fragte nach dem Zweck meiner Ankunft sowie meiner Sichtweise der Welt und ich beantwortete die Fragen bezüglich meines Interesses an diesem Tantra und meines Verständnisses des spirituellen Weges. Ihre Stimme hatte eine besondere Intonation, welche die Energie ihrer Welt trug. Ich erinnere mich immer noch an diese Intonation. Sie dient mir oft als Leitfaden in ihre Welt. Die Stimmung dieser Dakini schien mir drohend, ihre Energie war drückend, aber ich war nicht verlegen. Um die geheimen Lehren kennenzulernen, hatten Sadhus und Siddhas in der Vergangenheit viel riskantere Taten vollbracht. Sie kam näher und anstatt auf meine Bitte zu antworten, gab sie mir kurzerhand einen schwachen Klaps und ich lag auf dem Boden. Ich fiel einfach hin, von diesem Klaps niedergeschlagen. Die Dakini saß oben, blickte mir von oben nach unten aufmerksam in die Augen und sprach weiterhin die Worte des Tantra aus. Es war genau das Tantra, auf das ich so gespannt war! Ich lag völlig hilflos da, bewahrte meine Bewusstheit und wusste nicht, ob ich glücklich oder ängstlich sein sollte. Meine Hoffnungen auf eine gemeinsame Ethik von Menschen und Dakinis lösten sich wie Rauch auf. Das Tantra strömte aus ihrem Bewusstsein in meine Ohren wie ein ehrfurchtgebietender, nicht menschlicher Klang, eine wunderschöne Melodie mit sehr tiefer Bedeutung und Energie. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, wie tief. Der irdische Papiertext, bestehend aus den Worten, mit denen ich vertraut war, erwies sich nur als eine blasse Kopie, ein Abglanz dieser transzendenten Ausstrahlung jenseits des Verstandes, die von den Lippen dieser Dakini ausging.

 

Was für eine Übertragung! Ich fiel unter dem Einfluss ihres Blicks und ihrer Stimme in einen tiefen non-dualen Zustand. Dann spürte ich, wie die Dakini auf bestimmte Punkte meines feinstofflichen Körpers drückte und trat in ein noch tieferes Verständnis ein, nachdem ich die Empfindung des feinstofflichen Körpers verloren hatte. Ich hörte nur eine mysteriöse Stimme im Raum, die den Text des Tantras sprach. Aus ihr strömte ein Bewusstsein heraus, das mich, als es in mich eindrang, tiefer und tiefer zu den transzendenten, nicht menschlichen Wahrheiten der geheimen Lehre führte. Dies hielt eine lange Zeit an. Ich lag weiterhin in tiefer Meditation und atmete kaum. Die Stimme verschwand, und die Dakini selbst schien sich aufzulösen. Ich kam zu mir in mein Zimmer zurück. Die Übertragung war erfolgreich. Jetzt kannte ich die Essenz dieses Tantras…….

 

 

Die Übersetzung des ganzen Buches kann über die Homepage bestellt werden.

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