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2022 – das Dhanvantari-Jahr
12.7.2022 Jahr

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Jahr 5121 des Kali-Yugas,
28. Mahayuga
7. Manvantara
Epoche des Manu Vaivasvata
Kalpa des Ebers
Erster Tag des 51. Jahres
der großen Schöpfergottheit
Parasattarka-Logik

Teil I

Schöpfung jenseits der Gesetze von Zeit und Raum


1. Axiom: Was im Bewusstsein logisch formuliert wurde, existiert im Bewusstsein als logisches System von Begriffen.

2. Axiom: Wenn ein logisches System von Begriffen, das im Bewusstsein existiert, mit Energie versehen wird, materialisiert es sich in Raum, Zeit und materiellen Elementen.

3. Axiom: Die Materialisation des Systems hängt von der Kraft der Absicht ab und wirkt auf alle Parameter von Zeit (Vergangenheit, Zukunft) und Raum (andere Dimensionen usw.).

4. Axiom: Diese Bedingtheit entsteht, weil Zeit und Raum aus dem Bewusstsein geboren wurden. Beide sind eine Materialisation der zuvor erfolgten Affirmation.

5. Axiom: Wenn eine Affirmation geboren wird, die neue logische Reihen hervorruft und deren Kraft die Kraft der vorhergehenden Affirmation übersteigt, verdrängt sie diese. Die Wirkung der früheren Affirmation endet. Die Wirkungen der alten Gesetze von Zeit und Raum hören auf zu existieren. Das betrifft nicht nur die Gegenwart und Zukunft, sondern auch die Vergangenheit.

6. Schlussfolgerung I: Das bedeutet: Wenn man ein logisch begründetes System erschafft und dieses mit Energie versieht, ist es möglich, auf die Vergangenheit einzuwirken, die dann eher variativ wird und nicht mehr eindeutig ist.

7. Schlussfolgerung II: Indem man eine andere Variante vergangener Ereignisse auswählt, kann man im selben Augenblick die Gegenwart verändern.

8. Indem man eine logische Kette in der Vergangenheit erschafft, kann man eine Welt erschaffen, in der kein Karma, keine Unwissenheit, kein Leid, kein Tod existieren und die andere zeitliche, räumliche und energetische Charakteristiken besitzt.

9. Beim Einsatz dieser Logik zur Heilung beseitigt man die für die jetzige Krankheit ursächliche Situation in der Vergangenheit.

Ein Yogi, der diese Logik auf dem spirituellen Weg nutzt, erinnert sich an sich selbst als „ungeborenen Brahman“, „als Buddhanatur besitzend“ und erkennt sich so als unsterblich.

Ein Yogi erinnert sich an seinen Zustand vor dem Eintritt in die Materie und realisiert ihn sofort in der Gegenwart. Ein Yogi erinnert sich an sich als einen Deva, der alle reinen Eigenschaften und Siddhis besitzt, und im gleichen Augenblick verändert sich die Linie seines karmischen Schicksals und es entsteht seine andere Gestalt. Ein Yogi erinnert sich an sich selbst als ursprünglichen Raum des Bewusstseins, der höchsten Quelle, und wird sofort dazu, erkennt sein jetziges Ich darin wieder.

10. Die spirituelle Praxis des Weges der Nichtanstrengung entspricht, basierend auf der Parasattarka-Logik, nicht einer Bewegung vorwärts in der Zeit, sondern rückwärts in die Vergangenheit und ist eine Erinnerung an die neuen vergangenen Ereignisse, die nun als immer schon dagewesen erkannt werden. Das Neue wird als das vergessene Alte wieder entdeckt. Die Erfahrung der Heiligen und die Praxis ihrer Erleuchtung werden in den Texten und Upadesas (Instruktionen) genauso beschrieben. Beispiele der neuen Logik im Advaita:
- Das Erkennen der Schlange als Seil.
- Das Finden der Kette, die niemals verloren gegangen, sondern immer am Hals des Besitzers gehangen und nur vergessen worden war.
- Die Wiederentdeckung des zehnten Menschen beim Zählen, den man zuerst als den Zählenden vergessen hatte.
- Vergessen der Herkunft als Prinz, Leiden aufgrund dieses Vergessens und sofortige Befreiung vom Leid im Moment der Erinnerung, des Erkennens seiner wahren Stellung.
- Mit dem Terminus des „durch das Gesetz des Karmas begrenzten Menschen“ wird ein Mensch definiert, der seine Natur vergessen hat, und umgekehrt wird seine Befreiung als Erinnerung an diese Natur gesehen.

11. Die Begründung einer solchen Vorgehensweise basiert logisch auf den fundamentalen Doktrinen der Lehren des Advaita, der Tantras sowie des Anuttara-Tantras über das ursprüngliche Bewusstsein als Quelle des Raums, der Zeit und aller Ereignisse und Dinge, als „das, was ist und immer war“, als „vor der Geburt existierend“, als „das, was nicht erreicht, aber erkannt wird“ und als „das, was immer da ist, aber wegen der samsarischen Logik der Maya und der destruktiven Logik der Kleshas nicht erkannt wird.“

12. Indem man diese Art zu erkennen bzw. sich an sich selbst zu erinnern nach dem Prinzip der Ähnlichkeit auf Ereignisse, auf Dinge und auf die Charakteristiken von Zeit und Raum anwendet, kann man daraus ein universelles Prinzip ableiten: Die Schöpfung wird nicht vom Absoluten erschaffen; man erinnert sich an sie und erkennt sie als bereits existent und als schon immer potenziell in Form von Samen (Bijas) existierend. Im Moment des Erinnerns geschieht nur eine Aktualisierung (und damit ein Hervorbringen) von irgendwelchen Tendenzen oder Ereignissen, die im kosmischen Informationsfeld („Hiranyagarbha“, „Akasha-Chronik“) gleichzeitig existieren.

13. „Erschaffen von etwas“ ist also nicht als „Erschaffen“ im Wortsinne zu verstehen, sondern als ein Herausnehmen, als die Erinnerung an das, was schon da ist und immer da war. Deswegen sind die Möglichkeiten des schöpferischen Bewusstseins auf dem Weg des Erinnerns/Erkennens unbegrenzt, weil deren Potenzial mit dem Potenzial des Absoluten identisch ist.

14. Da die Möglichkeiten zur gleichzeitigen Existenz von Dingen und Ereignissen in der Potenz der höchsten Quelle unbegrenzt sind, sind die Möglichkeiten des schöpferischen Bewusstseins, basierend auf der Parasattarka-Logik, ebenfalls unbegrenzt.

15. Das Absolute wird ohne Anstrengung erreicht: als Erinnerung, als etwas, das sich als in der Tiefe des Bewusstseins immer existent herausstellt.

16. Da der höchste Wesenszustand des Bewusstseins die Quelle von Zeit, Raum, Kausalität usw. ist und seine Begrenztheit nur künstlich durch Unwissenheit bedingt ist, verändert sich das individuelle Bewusstsein im Moment des Erkennens, also des Erinnerns an das Absolute seine Charakteristika; es bekommt die Eigenschaften des Absoluten und wird zum Schöpfer allen Geschehens. Die Möglichkeiten zur Erschaffung von Dingen sind dann nur durch die Tiefe des Bewusstseins des Erschaffenden begrenzt.

17. Das bedeutet: Alle jetzt ins Bewusstsein kommende Gesetzmäßigkeiten, Ereignisse, Dinge sowie die Merkmale von Zeit, Raum und Elementen können dann zum Ausdruck kommen und materialisiert werden, wenn das Bewusstsein die Absicht dazu hervorbringt, indem es sich an sie erinnert und sie aktualisiert.

18. Auf dieser Stufe verlieren Begriffe wie Lüge, Fantasie und Irrealität ihre logische Grundlage, weil Irrealität, Fantasie und Lüge nicht existieren, da Lüge, Fantasie usw. ein gleichwertiges logisches System bilden, das auf derselben Ebene wie Realität, Wahrheit und Echtheit steht und – wenn dafür genug Bewusstseinsenergie zur Verfügung steht – aktualisiert und zum Ausdruck gebracht werden kann.

19. Auf dieser Grundlage sind Fantasien, Träume, Lügen, Theorien oder Absurditäten, also all das, was den physischen Gesetzen des Weltalls widerspricht, logisch vollkommen zulässig. Sie haben genauso eine logische Fundierung wie Wahrheit, Realität, universelle Gesetzmäßigkeiten usw. Der Unterschied besteht darin, dass die ersteren nicht aktualisiert wurden und sich im latenten Zustand befinden, weil auf sie keine Affirmation eines Individuums, dessen Bewusstsein mit dem schöpferischen Bewusstsein des Absoluten eins ist, ausgerichtet wurde.

20. Die Begrenzung und Bedingtheit der Menschheit durch Karma, Leid, Alter, Krankheiten und die Gesetze der Physik (Samsara) ist das Ergebnis des Vergessens und des Nichterkennens der eigenen göttlichen Natur, die frei von Samsara ist.

21. Im Moment des Erinnerns/Erkennens werden andere Verzweigungen von Ursachen und Wirkungen aktualisiert, Vergangenheit und Gegenwart verändern sich und die göttliche Natur des Menschen wird als die eigene begriffen.

22. Wer durch die Kraft seiner Affirmation in Kontakt mit der schöpferischen Quelle gekommen ist, kann die Raum-Zeit-Charakteristik krümmen sowie Kausalketten und qualitative Eigenschaften von Objekten usw. verändern (Beispiele: die Auferweckung von Toten und die Wunder der Heiligen).

23. Aus diesem Grund kann ein einfacher Mensch, der die Absicht geboren hat, in der Welt der Unsterblichen zu leben, sich mit der Zeit als dort lebend „erkennen“, indem er eine neue logische Verbindung schafft und diese als ihm schon immer zugehörig erkenn. Er aktualisiert sie aus dem latenten Vergangenem in die zum Ausdruck gebrachte Gegenwart hinein, von der Seite das dann wie das Erreichen der Unsterblichkeit aussieht.

24. Das Gesagte trifft auf die ganze Erde und Menschheit zu.

Durch willentliche Absicht und Bewusstheit kann man Situationen wie die eines „goldenen Zeitalters“, einer „unsterblichen Menschheit“, der „Gottmenschheit“, von „Reinen Ländern“, eines „Paradieses auf Erden“, der „Errettung“, des „allgemeinen Quantenüberganges“, der „Niederkunft des Supramentalen“, der „allgemeinen Transmutation zur Lichtmenschheit“ aktualisieren, das heißt eine vollkommene Veränderung der karmischen Sicht der Welt der Menschen und deren Übergang zur Gottmenschheit.


Teil II


Vereinigung mit der Sphäre der Einheit – Weg zur Unsterblichkeit jenseits von Raum und Zeit


Zeit und Raum entstehen aus dem Ursprungsbewusstsein


1. Allen Erscheinungen im Universum liegt das Prinzip des Ursprungsbewusstseins zugrunde – der höchsten Quelle. Begründung in den Schriften:
„Aus dem allumfassenden Bewusstsein entsteht die ganze Welt, ob sichtbar oder unsichtbar, und unabhängig davon, ob die Welt existiert oder nicht, existiert nur das allumfassende Bewusstsein.“ (Shiva Samhita, 1.77)

2. Das Ursprungsbewusstsein wird als die Empfindung des „Ich bin“ in ihrer ursprünglichen Reinheit erlebt, jenseits der sinnlichen Erlebnisse sowie mentaler Interpretationen und Einschätzungen. Begründung in den Schriften:
„Form, Geschmack, Geruch, Tastsinn, Ton, Leid, Genuss, das Bekommen und das erhaltene Objekt – für all das gibt es in der Jenseitigkeit, welche Grundlage und Stütze von allem Existierenden und das Wesen von allem ist, keinen Platz. Aber die Jenseitigkeit ist nicht dadurch ausschöpfbar, sie übersteigt dies alles. Sie ist höchster Gott, Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer des Universums und ewiges Wesen.“ (Avadhuta Dattatreya, Tripura Rahasya, Kap. 9)
„Weder Prana noch Apana noch ein anderes Organ oder ein anderer Sinn sind das wahre „Ich“. Meditiere auf das wahre „Ich“, das ewig, vollkommen und allgegenwärtig ist.“ (Atma Sakshatkara, 27).

3. Zeit und Raum sind Projektionen des Ursprungsbewusstseins. Begründung in den Schriften:
„Zeit und Raum sind Parameter der Unterteilung in der Welt; von diesen ist der Raum für die Anordnung der Objekte zuständig und die Zeit für die Aufeinanderfolge der Ereignisse. … Zeit und Raum werden dabei aus dem Bewusstsein projiziert. … Das Universum ist nur eine Projektion aus dem Spiegel des Bewusstseins und eine Projektion im Spiegel des Bewusstseins …“ (Avadhuta Dattatreya, Tripura Rahasya, Kap. 11)


Einheit von allumfassendem Raum und Objekten


1. Der Raum des äußeren, sichtbaren Universums ist eine Emanation des höchsten Bewusstseins, die von diesem nicht verschieden ist, so wie die Strahlen eine Emanation der Sonne und von ihr qualitativ nicht verschieden sind. Begründung in den Schriften:
„Vielfalt kann nur im Raum beobachtet werden. Dieser Raum existiert im höchsten Wesen, das den Raum in dem Moment, in dem die Vielfalt zur Entfaltung kommt, projiziert, obwohl das zu diesem Zeitpunkt unklar ist. Parasurama, wende Deinen Blick nach innen. Das, was Du als inneren Raum empfindest, ist eine Ausdehnung, in der alle Wesen existieren, deren höchstes Wesen bzw. Bewusstsein sie herausbildet. Was die Wesen für Raum halten, ist Dein höchster Wesenszustand. Auf solche Weise ist das höchste Wesen des einen auch der Raum im anderen und umgekehrt. Aber die gleiche Sache kann nicht unterschiedliche Naturen besitzen. Deswegen gibt es keinen Unterschied zwischen dem Raum und dem höchsten Wesen, dessen Glückseligkeit und Bewusstsein vollständig und vollkommen sind.“ (Avadhuta Dattatreya, Tripura Rahasya, Kap. 18)

2. Jedes Objekt im unendlichen Universum, einschließlich des Menschen, befindet sich gleichzeitig in jedem Punkt des Raumes.

3. Der Ort der Wahrnehmung der Position eines Objektes durch den Beobachter ist ein Wahrnehmungsknoten, ein Schnittpunkt von aktuell genutzten Linien seiner karmischen Vision.

4. Diese Linien sind Bestandteil der karmischen Vision des Beobachters, das heißt des Subjekts, der das Objekt beobachtet.

5. Die sogenannte „sichtbare Welt“ ist nur eine karmische Vision. Eine karmische Vision ist das Ergebnis von Wirkungen von aus der Vergangenheit stammenden und verbliebenen Spuren karmischer Abdrücke.

Begründung in den Schriften:

„Die Welt wird so, wie du dich daran gewöhnst, sie in deinen Gedanken und Vorstellungen zu sehen.“ (Avadhuta Dattatreya, „Tripura Rahasya“, Kapitel 12)

6. Bei einer Änderung der karmischen Vision des Subjekts können neue Linien aktiviert werden und können neue Wahrnehmungsknoten (Schnittpunkte von Linien der karmischen Vision) festgestellt werden.

7. Dann kann das Objekt in der karmischen Vision des Subjekts entweder an anderen Raum-/Zeit-Punkten oder am gleichen Punkt, aber mit neuen Eigenschaften erscheinen.

8. An Orten, an denen das Objekt scheinbar nicht existiert, besteht das Objekt als versteckte (latente) karmische (Ursachen/Informations-)Spur, die in jedem Moment aktualisiert werden kann.


Einheit der Zeit


1. Jedes Objekt im Universum befindet sich als eine Projektion des Bewusstseins gleichzeitig in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.

2. Zeit ist ebenfalls eine Projektion des Bewusstseins. In ihrem Wesen ist sie eine feine, unteilbare, einheitliche Substanz des Bewusstseins, die eine spielerische Transformation der Energie des Universums zum Ausdruck bringt, in welcher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht linear aufeinander folgen, sondern gleichzeitig existieren.

3. Während das Bewusstseins des Subjekts durch den gewohnten Tunnel der karmischen Vision in eine bestimmte Richtung gleitet und Ereignisse unter einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, kann die Zeit diskret als getrennt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wahrgenommen werden.

4. Die harte Unterteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird durch die Tendenzen der getrübten karmischen Sicht der Wesen geschaffen, die sich in einer dualistischen Wahrnehmung der Realität befinden. Begründung in den Schriften:
„Aufgrund der karmischen Ursachen reduziert sich das absolute Bewusstsein bis auf die Ebene der Transformationen und erscheint dadurch als begrenzt. In Wirklichkeit ist es unendlich und besteht kontinuierlich. Wenn Du behaupten willst, dass ein solches Bewusstsein durch die Zeit usw. in Teile geteilt wird, dann sage mir, ob sich diese teilenden Wirkungen innerhalb oder außerhalb des höchsten Wesens befinden? Wenn sie sich außerhalb des Bewusstseins befinden, dann kann man ihre Existenz nicht beweisen; wenn sie innerhalb auftreten, dann durchdringt das Bewusstsein sie, und dann ist das Bewusstsein nicht geteilt. Die Zerteilung in zeitliche Abstände, die in der Welt beobachtet wird, wird durch das Bewusstsein als Ereignisse (die getrennten Teile) und als Zeit (der Teiler) wahrgenommen. All das ist vom Bewusstsein durchdrungen. Das Bewusstsein an sich ist Zeit und Ereignisse. Würde die Zeit nicht vom Bewusstsein durchdrungen sein, wie wären dann die (zeitlichen) Abstände offensichtlich? Wie kann das Bewusstsein als geteilt betrachtet werden, wenn es alldurchdringend ist? Eine Teilung müsste durch etwas Äußeres hervorgerufen werden. Aber außerhalb der Grenzen des Bewusstseins gibt es nichts, was überhaupt haltbar wäre oder besprochen werden könnte. (Avadhuta Dattatreya, Tripura Rahasya, Kap. 18)

5. Mit der Entdeckung der nondualen Sicht verschwinden die Tendenzen, die durch den Verlust des inneren Zentrums, der höchsten Quelle, entstanden waren: an der Vergangenheit zu haften, die Zukunft zu projizieren, und an den äußeren Sinnesobjekten zu hängen. Der Yogi verlässt den gewohnten Zeittunnel seiner subjektiven karmischen Sicht und vertieft sich in ununterbrochenes gegenwärtiges Sein, das nicht dem Fluss der Zeit unterliegt. Begründung in den Schriften:
„Von allen Begrenzungen frei, bin Ich das ewige Bewusstsein. Ich bin Das, der höchste Brahman. Wie kann man, wenn man diese Wahrheit hört, zur gleichen Zeit einer Kaste oder Lebensperiode zugehörig sein?“ (Sri Adi Shankaracarya, Betrachtung Brahmans)

6. In diesem Zustand werden die Objekte des äußeren Universums als spielerische Manifestationen der Energien des höchsten Bewusstseins nicht mehr in die Begrifflichkeit Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft eingeordnet, auch fehlt eine unmittelbare, Linearität von Ursache und Wirkung. Es existiert ein einheitliches Bewusstsein, in dem gleichzeitig in der Potenzialform von Samen die Informationen über alle Transformationen der Energie da sind.

7. Die Präsenz eines Objektes ist der Zustand, in dem die Charakteristiken dieses Objekt aktuell zum Ausdruck gebracht werden und steht in Übereinstimmung mit der karmischen Sicht desjenigen Subjekts, welches das Objekt beobachtet.

8. Die karmische Spuren des Objekts bleiben in der Vergangenheit als subtile Abdrücke in Form von Erinnerungen und existieren in der Zukunft als feine zeitliche Matrizen künftiger Ereignisse.

9. Auf diese Weise ist jedes Objekt, einschließlich des Körpers eines Menschen eine unbegreifliche unvergängliche, ewige, leere Struktur, die sich in der Zeit unendlich ausdehnt und sich ununterbrochen verändert, wie die Lichtstrahlen an den Seiten eines Kristalls.

10. Die Zeit ist ein besonderer Aspekt einer einheitlichen, unteilbaren Bewusstseinssubstanz, der Chronosphäre, die gleichzeitig das gesamte Feld an Ereignissen und Metamorphosen aller jemals im Universum existenten Objekte umfasst.

11. Die Zeit weist, da sie ein Aspekt des Bewusstseins ist, alle Eigenschaften der Manifestationsspiele des reinen Bewusstseins wie der Vielfalt an Variationen, der Fähigkeit zur Verzweigung, der gleichzeitigen Existenz an vielen Orten und vielen weiterer Aspekte auf; die Zeit kann stehen bleiben, sich zusammenziehen, sich verlangsamen, sich zum Ausdruck bringen oder auch nicht usw.

12. Sobald ein Yogi, der das reine „Ich“ erfahren hat, von der Bindung an die groben Eigenschaften befreit wird, indem er in die nonduale Sicht hineingelangt und Willenskraft erlangt, geht er über die Grenze der Chronosphäre hinaus und wird von dem Diktat des Flusses der Zeit befreit; er kann sich in ihr in jede Richtung bewegen, an jeden Punkt gelangen oder andere zeitliche Universen besuchen.

Begründung in den Schriften:

„Deine Willenskraft wird vom Schöpfer unterdrückt. Aber wenn dieses Hindernis durch die obengenannten Methoden überwunden ist, wird deine Willenskraft ebenfalls wirksam. Zeit, Raum, grobe Schöpfung usw. werden gemäß den Vorstellungen der Person, die sie erdenkt, zum Ausdruck gebracht“. (Avadhuta Dattatreya, Tripura Rahasya, Kap. 14)

13. Dank solcher Fähigkeiten kann er durch die Kraft des Bewusstseins außer in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in verschiedene Varianten der zeitlichen Universen wie Zeittunnels, Korridore, zeitliche Sackgassen, Schleifen und Zeitlöcher hineingelangen.

14. Alle Arten von Zeit sind gleichzeitig existent, so wie die Projektionen einer Lichtquelle auf mehreren Bildschirme oder das Spiegelung einer Form in den viele Facetten eines Diamanten oder Kristalls.

15. Der Übergang von einem Zeittunnel in einen anderen ist möglich, wenn ein Yogi in den leeren Zustand des Betrachtens ohne Dualität eintritt und den Druck des gewohnten Zeittunnels überwindet.


Sphäre der Einheit


1. Zeit, Raum, Ursachen und Wirkungen gehen von der Einheitssphäre des Bewusstseins aus, der höchsten Quelle, die vom Yogi als sein eigenes Bewusstsein in dessen ursprünglicher Reinheit aufgefasst wird.

Begründung in den Schriften:

„Dieses ganze Universum, das aus dem Manifestierten und dem Unmanifestierten besteht, entsteht aus Ihm, besteht in Ihm und wird in Ihm aufgelöst. Das ist die endgültige und gut bekannte Schlussfolgerung der heiligen Schriften; und die heiligen Schriften irren sich nie“. (Avadhuta Dattatreya, „Tripura Rahasya“, Kap. 11)

2. Die höchste Quelle wird vom Subjekt im Moment des Samadhi, der Selbstuntersuchung, als nonduales Erlebnis des „Ich bin“ in seiner ganzen Tiefe und Fülle erkannt.

3. Ein Yogi, der das nonduale Bewusstsein erreicht hat, findet darin den Schlüssel zu einer einheitlichen Sicht des Raums und der Zeit, indem er sie als von der Einheitssphäre, der Quelle des Bewusstseins und höchsten Quelle, ausgehend betrachtet.

Begründung in den Texten:

„Durch das Wissen, das durch die Selbstuntersuchung entstanden ist, lehne beides, Mikrokosmos und Makrokosmos, als nicht real ab, und indem Du in der unerschütterlichen Stille verweilst, bleibst Du in ewiger Ruhe und vollkommener Glückseligkeit als das unendliche Absolute“. (Sri Adi Shankaracarya, „Vivekachudamani“)

4. Der Schlüssel zum Aufstieg in die Einheitssphäre ist die Entdeckung des „Einheitsgeschmacks“ aller Phänomene, das heißt ein Empfinden der Welt in einer Weise, in der Zeit und Raum, Samsara und Nirvana, innerer und äußerer Wahrnehmungsraum sowie die Dualismen von rein und unrein, gut und böse, Vergangenheit und Zukunft, Meditationszustand und Nichtmeditation und Ursache und Wirkung usw. als gleich angesehen werden.

5. Auf diese Weise werden Zeit und Raum für den Yogi zur spielerischen Manifestation von Eigenschaften und Möglichkeiten. Ungetrennt von der höchsten Quelle, gleichen sie dem Schmuck der Einheitssphäre, dem allgemeinen Feld des ursprünglichen Bewusstseins.

Begründung in den Schriften:

„Kannst Du Zeit und Raum zeigen, die nicht von Bewusstsein durchdrungen wären? Befindet sich nicht alles innerhalb Deines Bewusstseins, wenn du darüber sprichst?“ (Avadhuta Dattatreya, „Tripura Rahasya“, Kap. 11)

6. In dieser Einheitssphäre befindet sich jedes Objekt nach den Prinzipien „alles in allem“ und „was es hier gibt, gibt es überall“ gleichzeitig und in jedem Moment an jedem Punkt des Raumes und der Zeit.


Ursache und Wirkung


1. Ausgehend von dem Prinzip der Einheitssphäre, gebiert eine Ursache, die durch irgendeine Handlung oder irgendeinen Gedanken geschaffen wurde, keine Wirkung, sondern ist ein Katalysator, der dazu beiträgt, dass in Zeit und Raum neue Universen mit anderen Charakteristiken, Möglichkeiten und Ereignissen erscheinen.

2. Auf diese Weise gebiert eine als Katalysator fungierende Ursache, die Wirkung nicht direkt, sondern indirekt. Die erschaffene Ursache ist das Ende eines Universums einer karmischen Vision und der Beginn eines anderen. Das bedeutet, dass jede wichtige karmische Handlung, die eine gewichtige Ursache erschafft, ein Akt der Erschaffung eines neuen Universums mit einem neuen Feld an Möglichkeiten ist.

3. Deswegen gebiert eine bestimmte Handlung, die eine Ursache geschaffen hatte, keine festgelegte Wirkung, sondern stimuliert (aktualisiert) ein schon existierendes neues Universum oder einen neuen Zweig an Universen und bringt sie zum Ausdruck - mit einer anderen karmischen Vision und mit entsprechend neuen Knoten von Ereignissen in der karmischen Vision eines Individuums (die ihm dann als im Universum seiner karmischen Vision entstandene Wirkungen erscheinen).

4. Dies kommt auch bei einem Verschieben des Bewusstseins in ein neues Universum einer anderen karmischen Vision zum Ausdruck, mit ähnlichen Parametern, aber mit kleinen Unterschieden in den Details.

5. Je gewichtiger die Empfindung ist, welche die Handlung begleitet, desto größer fällt die Verschiebung in ein neues Universum einer karmischen Vision aus, und dementsprechend entstehen große Unterschiede in den Qualitäten und Charakteristiken der darauf folgenden Knoten und Ereignisse.

6. Eine Handlung als solche determiniert keine festen zukünftigen Ursachen und Wirkungen, weil sie nur den Zugang zu neuen Zweigen anderer karmischen Universen mit neuen Möglichkeiten und Charakteristiken eröffnet.

7. Dadurch kann man die Relativität des Ursache-Wirkungs-Gesetzes erklären: den Unterschied in der karmischen Verantwortung verschiedener Wesen für die ein und dieselbe Handlung.

8. Dadurch kann man auch die Relativität von Werten (die verschiedenen Interpretationen von gut und böse, von rein und unrein, von richtig und falsch) für Götter, heilige Yogis und sogar für gewöhnliche Menschen, die unterschiedlichen religiösen Kulturen angehören, erklären.

Begründung in den Texten:

„Was für den einen Nahrung ist, ist für den anderen Gift. Was Yogis und himmlischen Wesen auf eine ganz bestimmte Art und Weise erscheint, wird von anderen ganz anders wahrgenommen“.

(Avadhuta Dattatreya, „Tripura Rahasya“, Kap. 11)

9. Nicht unbedingt aufgrund von Ursachen und Handlungen selbst, sondern in Abhängigkeit davon, wie tief ein Lebewesen das nonduale Bewusstsein, die Einheitssphäre, bereits für sich erschlossen hat oder noch nicht, unterliegt es dem Gesetz der Ursache und Wirkung nicht mehr oder doch noch.

10. Das Bewusstsein eines gewöhnlichen, nicht erwachten Individuums bewegt sich in der Peripherie der Einheitssphäre, in dem er die schon subtil existierenden unterschiedlichen Möglichkeiten aktualisiert und deren Wirkung erfährt.

11. Wenn das Bewusstsein eines Yogis, der in den natürlichen Zustand hineingelangt ist, aufhört, sich in der Peripherie zu bewegen und ins Zentrum der Einheitssphäre vordringt, wird dieser zum Besitzer eines unendlichen Spektrums an Möglichkeiten und erfährt keine Auswirkungen von Zeit, Raum, Ursachen und Wirkungen.

Begründung in den Texten:
„Er, der das allgemeine „Ich“ ist, nimmt auf Wunsch unzählige Formen an und hat unzählige Erlebnisse“ (Sri Adi Shankaracarya, „Vivekachudamani“)

12. Ein Yogi, der sich in dem natürlichen Zustand des „Ich bin“ befindet, wird von den harten Begrenzungen von Raum und Zeit befreit und fähig, Zeit und Raum gemäß seiner Absicht (seiner schöpferischen Affirmation) zu formen.

Begründung in den Schriften:

„Die Beziehung zwischen dem Raum und den Objekten und zwischen der Zeit und den Ereignissen entspricht dem, wie du sie selbst einschätzt; zwischen ihnen gibt es keine, ihnen eigenen inneren Beziehungen“ (Avadhuta Dattatreya, „Tripura Rahasya“, (Kap. 14).


Vereinigung mit der Einheitssphäre


1. In die Einheitssphäre hineinzugelangen bedeutet, aus der Bindung durch die linearen Begriffe der Subjekt-Objekt-Beziehungen, des Ursache-Wirkungs-Gesetzes, der drei Zeitkategorien (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), der drei räumlichen Dimensionen sowie des Dualismus von gut und böse, richtig und falsch, rein und unrein, des Inneren und Äußeren, Leben und Tod usw. herauszutreten und zu beginnen, mit solchen Begriffen wie Ewigkeit, Unendlichkeit, Nondualität ohne Subjekt und Objekt, spontanes, unbegreifliches Spiel jenseits von Ursache und Wirkung sowie „Einheitsgeschmack“ aller Phänomene zu operieren. Begründung in den Schriften:
„Der Kenner Brahmans, der schon in diesem Körper zur Befreiung gelangt ist, wird durch Anhaftungen und Ablehnungen, Freude und Leid, günstige und ungünstige Erscheinungen, die für einen gewöhnlichen Menschen, der an den Körper haftet, natürlich sind, nicht berührt.“ (Sri Adi Shankaracarya, „Vivekachudamani“)

2. Indem er den Begriff der „Einheitssphäre“ in seine karmische Vision (sein psychologisches Weltbild, seine Aufzählung semantischer Bedeutungen) aufnimmt, verändert der herausragende Yogi sein Bild über sich als Mensch, das durch Körper, Raum und Zeit begrenzt ist, radikal und nimmt die Position des Zentrums der Raumzeit ein; er wird mit der höchsten Quelle des Seins eins. Begründung in den Schriften:
„Ewig bin Ich, körperlos und unauslöschlich. Ich bin Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit. Und in meinem Wesen bin Ich jenseits der fünf körperlichen Hüllen. Ich bin nicht der Handelnde und habe keine Beziehung zu den Taten. Genauso wenig habe ich eine Beziehung zum Genuss. Ich bin durch nichts gebunden. Ich bin der Höchste Herrscher. Alle Körperorgane arbeiten ununterbrochen aufgrund meiner Anwesenheit in ihnen. Ich habe keinen Beginn, keine Mitte und kein Ende. Ich bin niemals durch etwas gebunden. Meiner Natur nach bin Ich klar und rein. Wahrlich, Ich, Brahman, bin – und daran gibt es keinen Zweifel.“ (Sri Adi Shankaracarya, „Betrachtung Brahmans“)

3. Als Ergebnis dieser Vereinigung wird der Yogi mit den größten Fähigkeiten Besitzer von unendlich vielen Körpern in den unendlichen Dimensionen des Universums, existiert gleichzeitig nicht nur in der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, sondern auch in der unendlichen Vielfalt der variativen zeitlichen Universen.


Er wird unsterblich. Er wird unsterblich.


Drishti-Srishti-Vada

Die Theorie der plötzlichen Erschaffung des Universums


Im Advaita Vedanta existieren drei philosophische Schulen und drei Theorien, die das Weltbild, passend zum Verständnis der menschlichen Wesen, beschreiben.

Die erste Theorie heißt Srishti-Drishti-Vada oder „Theorie der allmählichen Schöpfung“. Die zweite Theorie lautet Drishti-Srishti-Vada oder „Theorie der plötzlichen Erschaffung des Universums“. Schließlich gibt es eine dritte, höchst Theorie, Ajati-Vada, oder „Theorie der Nicht-Schöpfung und Nicht-Ursächlichkeit“. Ajati-Vada gilt als die höchste Theorie und die Theorie der allmählichen Schöpfung gilt als die niedrigste. In Abhängigkeit von den Fähigkeiten eines Schülers beherrscht er zunächst die erste Theorie, dann die zweite und schließlich geht er zu der höchsten über. Unsere Weltanschauung und unser spiritueller Pfad sind vom Grad des Verständnisses der Existenz des Universums, der Zeit und des Raumes abhängig.

Die erste Theorie, die Theorie der allmählichen Schöpfung (Srishti-Drishti-Vada), ist eine gewöhnliche, allgemein anerkannte Theorie über die physische Erschaffung des Universums, die uns bekannt ist. Sie besagt, dass die Zeit von der Vergangenheit in die Zukunft fließt, dass das Universum aufgrund einer großen Explosion geboren wurde, und dass im Universum lineare Verbindungen zwischen Subjekt und Objekt sowie Ursache und Wirkung bestehen. Diese erste Theorie (die Theorie der allmählichen Schöpfung) deckt sich völlig mit dem heutigen wissenschaftlichen Bild der physischen Welt, und deswegen werden wir sie nicht weiter betrachten.

Vom Standpunkt der allmählichen Schöpfung wird das Universum erst erschaffen und dann zerstört, und es existiert in bestimmten Zeiträumen (Kalpas und Yugas). Die Lebewesen entwickeln sich planmäßig in ihrer Evolution, indem sie verschiedene Stadien vom Stein, vom Mineral, niedersten Wesenheiten, Tieren, Menschen bis zu Göttern, großen Göttern, die Universen erschaffen (Brahmas) solange durchlaufen, bis sie sich mit dem Absoluten vereinigen. Das ist eine allgemein anerkannte Theorie, die durch Puranas wie Ramayana und Mahabharata gestützt wird, ein allgemein anerkannter Standpunkt des Yogas für Anfänger, aber auf einer höheren Stufe sagen die Heiligen, dass diese Theorie in dem Sinne nicht korrekt ist, dass sie nur zu einem bestimmten Grad richtig ist und die Theorie der plötzlichen Erschaffung des Universums der Realität näher kommt.

Wenn man hört, dass es mehrere Schöpfungstheorien des Universums gibt, fragt man sich, wie sie gleichzeitig existieren können: Ist die eine richtig, muss die andere falsch sein. Aber so ist es nicht. Die Welt ist ein viel höheres und komplexeres Sein. Sie gleicht einem Kristall mit mehreren Facetten. Es existieren Welten, auf welche die Theorie der allmählichen Schöpfung zutrifft, und auch solche, wo sie vollkommen falsch ist. Das gleicht dem Drehen eines Kristalls, auf den ein Lichtstrahl gerichtet ist. Dann wird der Kristall in Abhängigkeit vom Lichteinfall verschiedene Bilder projizieren.

Die höhere Theorie der Schöpfung des Universums heißt Drishti-Srishti-Vada (Theorie der plötzlichen Erschaffung des Universums). Vom Standpunkt des Laya-Yoga ist sie für das Verständnis sehr wichtig und wird in der Praxis der Selbsterkenntnis genutzt.

Was besagt diese Theorie? Sie sieht die Welt und das Universum als Projektionen unseres Bewusstseins. Die Welt ist ein Produkt unseres Verstandes. Das Universum wird in jedem Moment mit jedem Akt des Bewusstseins erschaffen. Schöpfung, Evolution und Zerstörung des Universums als allmählicher Vorgang existieren nicht, all dies ist subjektiv. Das Universum wird in jeden Moment und mit jedem Akt unseres Bewusstseins erschaffen und zerstört. Zeit und Raum sind abgeleitete Projektionen unseres Bewusstseins.

Allen Erscheinungen wie Zeit, Raum sowie Ursache und Wirkung liegt das Bewusstsein des „Ich bin“ zugrunde. Dieses „Ich bin“-Bewusstsein wird in seiner Tiefe und Fülle erlebt, wenn wir das Ich-Gefühl untersuchen und darin eindringen. Dattatreya sagt im Tripura Rahasya: „Zeit und Raum werden aus dem Bewusstsein projiziert. Das Universum ist nur eine Projektion im Spiegel des Bewusstseins.“

Welche Schlussfolgerungen kann man aus dieser Theorie ziehen? Aus ihr ergeben sich paradoxe Konsequenzen, die in der heutigen Physik den Gipfel der Theoriemodelle darstellen. Zum Beispiel ist heute in der Quantenphysik die Theorie von Hugh Everett sehr populär, die faktisch eine identische Wiederholung des alten vedischen Drishti-Srishti-Vadas darstellt.

Drishti-Srishti-Vada besagt, dass jedes Objekt sich gleichzeitig in jedem Punkt des Raumes befindet. Zum Beispiel befinden sich Ihr Körper und Sie sich selbst gleichzeitig an einer unendlichen Vielfalt von Raumpunkten.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen in keiner linearen Abfolge. Sie existieren gleichzeitig. Man selbst existiert gleichzeitig genau jetzt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Vergangene, gegenwärtige und zukünftige Zeit kann man sich in Form eine Videocassette vorstellen. Die Gegenwart ist das, was im aktuellen Moment gezeigt wird. Wenn man jedoch die Fähigkeit besitzt, die Wahrnehmung zu verändern, das heißt, die Kassette zurück zu spulen, kann man den Film zurückspulen und ihn noch mal anschauen. Man kann ihn auch vorspulen, in die Zukunft. Die Ereignisse gleichen den Bildern auf der Videokassette, sie existieren gleichzeitig, und wenn man sich von der Sicht dessen, was gerade gezeigt wird, abstrahieren kann, kann man das Prinzip der Kassette als Einheit verstehen.

Das ist so, als würde ein Fahrgast im Zug fahren und aus dem Fenster vorbeiflitzende Bäume sehen. Aber wenn dieser Fahrgast seinen Kopf aus dem Fenster lehnt, sieht er Bäume, die in der Vergangenheit da waren und Bäume, die in der Zukunft auf ihn zukommen werden. Er nimmt ein Gesamtbild des Waldes wahr. Er sieht, dass dies ein einheitlicher, massiver Raum ist, und dass die Gegenwart nur dass ist, was innerhalb des Rahmens des kleinen Fensters vorbeiflitzt.

So besagt Drishti-Srishti-Vada, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig in einem Moment vorhanden sind, und dass auch wir im selben Moment in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren.

Vom Standpunkt dieser Ansicht aus ist die Zukunft nicht eindeutig. Wir können sie selbst projizieren. Wir können sie vollkommen steuern. Noch paradoxer als dies ist die Tatsache, dass die Vergangenheit ebenfalls nicht eindeutig ist. Wir können unsere Vergangenheit verändern, weil Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Projektionen unseres Bewusstseins sind. Wenn wir den Spiegel unseres Bewusstseins erreichen, können wir sowohl unsere eigene Biographie als auch die Geschichte selbst in der Vergangenheit ändern. Zeit und Raum sind ebenfalls Projektion des ursprünglichen Bewusstseins.

„Der Raum des äußeren, sichtbaren Universums ist Produkt unseres Bewusstseins. Das Universum existiert nicht getrennt von unserem „Ich“, es erweckt nur den Schein, ein von unserem „Ich“ unabhängiges „etwas“ zu sein.

Dattatreya formuliert dies in „Tripura Rahasya“ wie folgt: „Zeit und Raum existieren gemäß der Ausformung durch die Person, die sie erdenkt“. Wenn man mit einer starken Absicht, mit Willenskraft und mit einer festen Einstellung (Sankalpa) beginnt, Zeit und Raum um sich herum anders wahrzunehmen, dann wird sich das nach einiger Zeit materialisieren.

Dattatreya erzählt dieses Prinzip in „Tripura Rahasya“ seinem Schüler Parasurama in einer Geschichte über den Prinzen Mahasena. Es geschah in den vedischen Zeiten vor vielen tausenden von Jahren. Prinz Mahasena suchte eine Gruppe von Kriegern seines Bruders, des Königs. Man sagte ihm, dass die Kriegertruppe in einen Hügel hineingelangte und in ihm verschwunden sei. Als Mahasena sich auf den Weg machte, sie dort zu suchen, traf er auf einen Rishi, der sich im Samadhi-Zustand befand, und auf seinen Sohn, der ebenfalls ein Yogi war. Der Sohn des Rishis erklärte ihm, dass der Kriegertrupp in dem Hügel sei, in den er sie mittels seiner magischen Kraft versetzt habe. Danach nahm er Mahasena ebenfalls in den Hügel mit. Er befreite Mahasenas astralen von dessen physischen Körper und erschaffte mittels seiner magischen Kraft einen anderen physischen Körper, in den der Astralkörper Mahasenas einging. Der Hügel hatte einen Durchmesser von ca. 4 km, aber als Mahasena in seinem anderen Körper ins Innere des Hügels gelangt war, erblickte er dort Himmel, Kosmos, Sonne, Mond, Götterwelten, Menschen und Gandharven. Er sah den Yogi, den Sohn des Rishis, als Gottheit, die sich als Brahma, Vishnu und Shiva manifestierte und dieses Universum regierte. Er war sehr überrascht, dass sich in einem Hügel mit einem Durchmesser von 4 km ein ganzes Universum befand. Dank der magischen Kraft des Yogis konnte er diese Welt besichtigen, indem einmal zur Sonne, ein anderes Mal zum Mond versetzt wurde.

Der Sohn des Rishis erzählte ihm, sein Vater wäre früher ein König gewesen und später Yogi und Asket geworden. Den Jungen erzog er seit der Zeit, als er selbst Yogi geworden war. Als der Junge größer geworden war und erfahren hatte, dass sein Vater König gewesen war, sagte er, dass auch er König sein möchte. Daraufhin lehrte ihn der Vater die Praxis der Konzentration des Bewusstseins und des Sankalpa, indem er ihm ungefähr folgendes sagte: „Stelle dir innerhalb dieses Hügels ein Königreich mit eigener Zeit und eigenem Raum vor, in dem du dich als König manifestierst.“ Der Junge hielt diese Askese Jahrzehnte, vielleicht auch Jahrhunderte lang aufrecht. Mit der Kraft der yogischen Technik der Sammlung (Samyama) erschuf er eine ganze Welt, mit eigener Zeit und eigenem Raum.

Als sie wieder aus dem Hügel zurück kamen, stellte sich heraus, dass auf der Erde zwölftausend Jahre vergangen waren. Alle Verwandten von Mahasena waren tot, die Flüsse waren trocken, die Berge höher, alles hatte sich verändert, wo es Städte gegeben hatte, wucherte Urwald. Mahasena war außer sich vor Trauer, er hatte alle Verwandten und ihm nahestehenden Menschen verloren. Er hatte einen Schock erlitten; aber der Sohn des Yogis sagte: „Warum bist du traurig? Diese Welt gleicht einer Illusion. Hast du es nicht verstanden? Das ist genau so, als würdest du traurig werden, weil sich im Traum etwas verändert hätte. Zeit, Raum, Hügel, Berge, Menschen, Universum – sie alle gleichen den Träumen, die von deinem eigenen Bewusstsein projiziert werden. Verstehe dieses Prinzip des Bewusstseins und leide nie.“

„Jedes Objekt im unendlichen Universum, einschließlich des Menschen, befindet sich gleichzeitig in jedem Punkt des Raumes.“ („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Der Raum im Allgemeinen und die Objekte sind eins. Zum Beispiel befindet sich dieses Buch an jedem Punkt des unendlichen Universums, in der Sonne, auf dem Mond und auf anderen Welten. Aber jetzt ist dieses Buch dank unserer gemeinsamen karmischen Vision hier. Man kann sagen, dass es hier in Form einer ausgeprägten karmischen Spur deutlicher zum Ausdruck kommt. Aber an den anderen Orten im Universum existiert dieses Buch ebenfalls, jedoch in der Art einer feinen karmischen Spur oder eines Informationsabdrucks. Wenn wir unser Bewusstsein ändern, können wir dieses Buch an jedem Punkt des Universums als zum Ausdruck gebracht wahrnehmen.

Dieses Prinzip wurde in den Tantras wie folgt beschrieben: „Alles, was es hier gibt, gibt es überall. Das, was es hier nicht gibt, gibt es nirgendwo.“ Man kann jedes Objekt als einen bestimmten Knoten beschreiben, der eine Überkreuzung von Fäden aus karmischen Sichten darstellt. Diese Fäden können in verschiedenen Varianten zum Ausdruck kommen, aber aufgrund unserer Sicht der Welt bringt sich der Punkt der Überkreuzung der karmischen Vision so zum Ausdruck, dass wir dieses Buch genau hier und genau jetzt sehen. Das gleiche gilt auch für unseren Körper.

„Jedes Objekt im Universum befindet sich als eine Projektion des Bewusstseins gleichzeitig in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befinden sich nicht in linearer Abfolge, sondern existieren gleichzeitig.“ („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Wenn das Bewusstsein eines Subjekts durch den gewohnten Tunnel der karmischen Sicht in eine bestimmte Richtung gleitet, indem es die Ereignisse unter einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, wird die Zeit als diskret wahrgenommen, also geteilt in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Diese strenge Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird durch die Tendenzen des verdunkelten Verstandes, das heißt durch die karmische Sicht von Wesen, die sich in dualistischer Wahrnehmung der Realität befinden, geschaffen.

Das wird von Avadhuta Dattatreya in „Tripura Rahasya“ (Kapitel 18) begründet. Dattatreya sagt darin, dass die Unterteilung in Zeiträume nur aufgrund der dualistischen Sicht existiert, wegen der menschlichen Interpretationen. In Wahrheit gibt es eine solche Unterteilung nicht.

Wenn wir, dank unserer Praxis, das reine Bewusstsein des „Ich bin“ entdecken und die dualistische Sicht überwinden, verschwindet unsere Tendenz, an Vergangenheit, Gegenwart, Zukunftsprojektion und Sinnesobjekte anzuhaften. Sobald ein Yogi das innere Zentrum erreicht, beginnt er, sich mit der höchsten Quelle zu vereinen. Solange wir dieses innere Zentrum nicht erreicht haben, und mit der höchsten Quelle nicht vereint sind, existiert für uns die diskrete Zeit. Wir haften an vergangenen Erlebnissen und stellen uns Zukunft vor, wir befinden uns nie in der Gegenwart.

Wenn wir den gewohnten zeitlichen Tunnel der karmischen Vision verlassen, vertiefen wir uns in das ununterbrochene gegenwärtige Sein, das nicht unter der Macht des Zeitflusses steht. Wir erkennen dann die Veränderungsprozesse in der äußeren Welt, die als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gedeutet wurden, als schöpferische Spiele der zum Ausdruck gebrachten Manifestationen der einheitlichen Substanz der universellen Energie, die aus dem Bewusstsein hervorgeht, unteilbar ist und immer existiert.

Was ist unter der Gegenwart eines Objekts zu verstehen? Dies ist genau der Zustand, in dem die Eigenschaften des Objekts (zum Beispiel dieses Buches) vollkommen mit der karmischen Vision des Subjekts, welches das Objekt beobachtet, übereinstimmen. Anders ausgedrückt: dieses Buch existiert zwar auch in der Vergangenheit, es existiert auch in der Zukunft, aber wir nehmen es im jetzigen Moment wahr, weil unsere karmische Vision und seine Qualitäten maximal miteinander übereinstimmen.

Karmische Spuren eines jeden Objekts bleiben als feine Abdrücke in Form von Erinnerungen in der Vergangenheit und existieren als feinstoffliche zeitliche Matrizen zukünftiger Ereignisse in der Zukunft.

Auf diese Weise ist jedes Objekt, einschließlich des Körpers eines Menschen, eine unbegreifliche, in der Zeit unendlich ausgedehnte, unsterbliche leere Struktur, die sich ständig verändert, so wie die Lichtstrahlen auf den Facetten eines Kristalls.

„Die Zeit ist ein besonderer Aspekt einer einheitlichen, unteilbaren Bewusstseinssubstanz, der Chronosphäre, die gleichzeitig das gesamte Feld an Ereignissen und Metamorphosen aller jemals im Universum existenten Objekte umfasst.“ („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Als Aspekt des Bewusstseins besitzt die Zeit alle Eigenschaften des Bewusstseins, zum Beispiel solche wie Multivariativität, die Fähigkeit sich zu verzweigen, sich gleichzeitig an mehreren Orten zu befinden, stehen zu bleiben, sich zusammenzuziehen, sich zu verlangsamen, sich zu offenbaren oder sich in einem unoffenbarten Zustand zu befinden.

Gemäß der Theorie des Drishti-Srishti-Vada sind alle fortschrittlichen physikalischen Theorien – wie die über Zeitschleifen, Zeitwürmer, Sackgassen der Zeit, über Zeitfächer von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit sowie über variative parallele Universen, in denen sich nicht stattgefundene Varianten der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ereignisse realisieren – richtig. Alle diese Varianten können zum Ausdruck gebracht werden, wenn wir unser eigenes Bewusstsein verändern.

Ich kann sagen, dass dies keine Philosophie ist, sondern praktischer Erfahrung entspricht. Wenn Sie praktizieren, können Sie das real in Ihrer subjektiven Erfahrung entdecken.

Einmal übte ich die Praxis des Herausziehens meines Astralkörpers. Ich hatte die Aufgabe, meinem astralen aus dem physischen Körper herauszubringen, ihn zu verdichten, im Zimmer an die Vase oder eine Tasse heranzukommen, diese ein Stück zu verschieben und dann herunterfallen zu lassen, danach wieder in den Körper zurück zu kommen und die Ergebnisse zu bestätigen.

Der erste Teil klappte immer. Ich kam aus dem physischen Körper heraus, verschob die Vase mit den Blumen oder machte eine Tasse kaputt. Es war ein Ton zu hören und die Tasse zerbrach. Alle Objekte waren real. Ich habe das mehrmals geprüft. Aber als ich in den physischen Körper zurück gekommen war, stand alles an seinem Platz. Das Erlebnis der zerbrochenen Tasse und alle Objekte waren in der Welt, in der ich meinen Astralkörper verdichtet hatte, absolut real gewesen. Die Erlebnisse waren nicht anders als in unserem festen Universum, und trotzdem kamen sie in dieser physischen Welt nicht zum Ausdruck. Das geschah, weil ich mit meinem Astralkörper nicht in unser menschliches Universum geraten war, sondern in ein anderes, paralleles, zwar ähnlich unserer äußeren Welt, aber eben doch etwas anders. Die Tasse zerbrach im anderen Universum, nicht in diesem.

„Sobald ein Yogi, der das reine „Ich“ erfahren hat, von der Bindung an die groben Eigenschaften befreit wird, indem er die nonduale Sicht erreicht und Willenskraft erlangt, geht er über die Grenze der Chronosphäre hinaus und wird von dem Diktat des Flusses der Zeit befreit; er kann sich in ihr in jede Richtung bewegen, an jeden Punkt gelangen oder andere zeitliche Universen besuchen. Dank solcher Fähigkeiten kann er durch die Kraft des Bewusstseins außer in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in verschiedene Varianten der zeitlichen Universen wie Zeittunnels, Korridore, zeitliche Sackgassen, Schleifen und Zeitlöcher hineingelangen.“ („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Alle Arten von Zeit existieren gleichzeitig, analog den Projektionen einer Lichtquelle auf mehrere Bildschirme, oder den Spiegelungen der vielen Facetten eines Diamanten oder Kristalls.

Wann ist der Übergang von einer zeitlichen Vision in eine andere möglich? Diese Möglichkeit besteht, wenn ein Yogi in einen leeren Bewusstseinszustand hineingelangt, die Dualität überwindet, und die gewöhnliche Sicht der Zeit übersteigt.

Nachdem wir die Fragen von Raum und Zeit besprochen haben, können wir zum Begriff der Einheitssphäre aus der Logik des Drishti-Srishti-Vada übergehen. In Sanskrit heißt die Einheitssphäre Maha-Bindu. Maha-Bindu ist einer der Namen Shivas. Der Terminus „besonderer“ (Maha-) Bindu wird zur Bezeichnung des Absoluten eingesetzt. Man darf dies nicht als eine kosmische Dimension verstehen, sondern als eine Metapher, die auf das Urprinzip des Seins verweist, auf Gott im religiösen Sinne.

„Zeit, Raum, Ursachen und Wirkungen gehen von der Einheitssphäre des Bewusstseins aus, der höchsten Quelle, die vom Yogi subjektiv als das Gefühl des „Ich bin“ erkannt wird, als sein eigenes ursprüngliches Bewusstsein in seiner Fülle.“ („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Die höchste Quelle wird im Moment der Selbstuntersuchung erkannt, wenn wir über das Gefühl des „Ich“ nachdenken und in ein vertieftes Beobachten hineingelangen. Ein Yogi, der eine spirituelle Praxis vollzieht, findet mit der Zeit den Schlüssel zum Eingang in die Einheitssphäre. Jetzt befinden wir uns in Trennung von der Einheitssphäre, vom Absoluten, von der höchsten Quelle. Befreiung bedeutet die Vereinigung mit der Einheitssphäre, man kann dazu auch so ausdrücken, dass die Seele wieder mit Gott vereint wird. Was ist der Schlüssel zur Einheitssphäre? Der Schlüssel zur Einheitssphäre ist der Zustand des „Einheitsgeschmacks“ (Eka-Rasa).

Der Einheitsgeschmack ist einer der zentralen philosophischen Begriffe im Laya-Yoga. Einheitsgeschmack bedeutet, dass alles gleich empfunden wird: Inneres und Äußeres, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gut und böse, richtig und falsch, rein und unrein, das, was gefällt, sowie das, was nicht gefällt, der Zustand während und der nach der Meditation, Samsara und Nirwana.

Wenn ein Yogi das Prinzip des Einheitsgeschmacks für sich erschließt, gelangt er ohne Mühe in die Einheitssphäre. Wie kann man den Einheitsgeschmack für sich erschließen? Nur indem man richtiges Gewahrsein und Selbstbefreiung übt. Wenn wir im richtigen Gewahrsein sind, erkennen wir das Gefühl des „Ich bin“ und befreien unsere mentalen Interpretationen sowie unsere Bewertungen aller Wahrnehmungen (Gedanken, Emotionen, Wünsche, äußere Situationen). Wenn wir sie mit nacktem Gewahrsein betrachten, dann verstehen wir allmählich, dass Annehmen und Ablehnen, Gefallen und Nichtgefallen nicht etwas Verschiedenes sind, sondern lediglich Projektionen ein und desselben Zustandes.

Zum Beispiel befindet sich an einem Pol etwas, das uns gefällt (ein Bild, Musik). Und am entgegengesetzten Pol gibt es etwas furchtbares, abstoßendes, schlechtes, etwas widerwärtiges. In Wirklichkeit befindet sich beides auf einer Linie, die ein und dieselbe Substanz der Wahrnehmung ist. Wenn wir keine mentalen Bewertungen und Etikettierungen projizieren und keine Urteile fällen würden, wenn wir versuchen, uns von Annahme und Ablehnung zu abstrahieren, und in einen dritten Zustand zu gelangen, indem wir das, was uns gefällt oder auch nicht, einfach mit nacktem Gewahrsein betrachten, ohne Wertungen und Urteile, ausgehend von dem reinen Empfinden des „Ich bin“, dann finden wir uns in einer dritten Position wieder, so als würden wir über dem, was uns gefällt oder nicht gefällt, stehen, im Zustand eines reinen Sakshas, eines reinen Beobachters. Für diesen Zeugen sind beide Situationen gleichwertig. Wenn wir diese Gleichheit feststellen und uns von den beiden Polen (Gefallen und Nichtgefallen) abstrahieren, dann gelangen wir in diesen dritten Zustand, in das Urspungsgewahrsein. Das Herausfiltern des Ursprungsgewahrseins, des reinen Seins des „Ich bin“ ohne mentale Bewertungen und Interpretationen, ist die Methode, den Einheitsgeschmack zu erreichen.

Ausgehend vom Prinzip des Einheitssphäre lässt sich das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Karmagesetz, anders betrachten. Normalerweise sagt man, dass gemäß dem existierenden karmischen Gesetz gute Taten zu einem guten Schicksal, zu guter Gesundheit und zu Erfolgen in diesem Leben sowie zu himmlischen Geburten in späteren Leben führen. Und umgekehrt führen negative Handlungen wie Töten, Stehlen und eine amoralische Lebensart zur Verschlechterung der Gesundheit, zu Hindernissen, die von Menschen und Geistern ausgehen, zu negativen Situationen, zu Leid und zu Wiedergeburten in den niederen Bereichen der hungrigen Geister, Tiere usw. Das ist eine allgemein anerkannte Theorie im Buddhismus, im Hinduismus und in anderen Religionen.

Für gewöhnlich sagt man: „Kontrolliere Deine Wünsche, vermeide Sünden, sammle Verdienste, denke positiv, tue Gutes, wenn Du ein positives Schicksal möchtest.“ Dabei wird vorausgesetzt, dass eine Ursache eine Wirkung gebiert. Auf jede Handlung folgt hier unbedingt eine karmische Konsequenz.

Vom Standpunkt des Drishti-Srishti-Vadas gebiert jedoch eine Ursache nicht direkt eine Wirkung. Indem man etwas tut, erscheint es zwar so, als würde eine Ursache zu einer Wirkung führen, aber vom Standpunkt des Drishti-Srishti-Vadas aus ist dies alles nicht so einfach. Eine Tat führt nicht unbedingt zu einer Wirkung. Eine Ursache kann verschiedene Wirkungen erzeugen.

Der Heilige Dattatreya sagt in „Tripura Rahasya“: „Was für den einen Gift ist, ist für den anderen Nektar. Was für Menschen schlecht ist, kann für Götter gut sein.“ Dieselbe Handlung kann verschiedene Konsequenzen haben, je nachdem ob sie von einem gewöhnlichen Menschen, einem Heiligen oder einem Deva vollzogen wird. So sehen wir, dass das Gesetz von Ursache und Wirkung nicht so eindeutig ist.

Wenn zum Beispiel ein gewöhnlicher Mensch Alkohol zu sich nimmt, führt dies wahrscheinlich zur Degeneration seines Bewusstseins und zur Wiedergeburt in niederen Daseinsbereichen. Deswegen gibt es für Yogapraktizierende die Regel, keine alkoholischen Getränke zu sich zu nehmen. Aber in alten Zeiten wurden Heilige beschrieben, die Alkohol zu sich nahmen. Das kann seltsam erscheinen, weil Heilige keine Wünsche haben. Aber vom Standpunkt der Heiligen aus war die Wirkung des Alkoholgenusses das Erreichen einer vertieften Heiligkeit. Das ist schwer zu verstehen.

So besagt Drishti-Srishti-Vada, dass eine Ursache nicht direkt eine Wirkung verursacht. Beim Vollzug irgendeiner Handlung wird ein neues Universum erschaffen, das dieser Handlung entspricht. Im Moment des Vollzugs einer jeden Handlung wird ein ganzer Zweig von Paralleluniversen erschaffen, die ins Bewusstsein übertragen werden. In diesen Universen werden neue Möglichkeiten aktualisiert. Die karmische Vision wird dahin übertragen, indem sie verschoben wird. Deswegen ist das karmische Ergebnis unklar, es ist etwas diffus. Auf diese Art funktioniert das Gesetz der Ursache und Wirkung.

Wie kann man das erklären? Man muss zur Erklärung verstehen, dass Sie sich zum Beispiel gleichzeitig in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft befinden. Alles existiert bereits, man muss nichts erschaffen, man muss nur offenbaren, aktualisieren, den passenden Level der Sichtweise einstellen. Angenommen, es gäbe jetzt genau eine Zukunft, in der Sie alle Buddhas sind. In einer anderen variativen Zukunft sind Sie Mönche oder Heilige. In einer dritten Zukunft sind Sie Asketen. In einer vierten Zukunft sind Sie weltliche Menschen, die Yoga und Tantra praktizieren, und bestimmte Höhen erreicht haben. In einer ganz anderen Zukunft sind Sie einfach Menschen inmitten des Karmas, die nichts erreicht haben und sinnlos leben.

Der zukünftige Zeitfächer existiert gleichzeitig in Form von Möglichkeiten. Es gibt auch andere Alternativen einer Zukunft, es gibt einige künftige Varianten, in denen Sie leiden und verschiedene Schwierigkeiten erleben. Alle diese Arten von Zukunft existieren gleichzeitig und verfügen über die Möglichkeit der Mikroauswahl. Der Prozess der Evolution entspricht einer Realisation einer der Varianten der Zukunft dank einer Veränderung der karmischen Vision.

Wenn Sie zum Beispiel fleißig praktizieren, aktualisieren Sie eine Zukunft, in der Sie Heilige sind. Diese Zukunft wird dann realisiert. Und wenn Sie umgekehrt aufhören, die Wünsche zu kontrollieren und eine spirituelle Praxis auszuüben, irgendwelche unpassende Taten vollziehen und eine degenerative Lebensart pflegen, aktualisieren Sie eine Variante der Zukunft, in der Sie leiden und in der Sie verschiedene Schwierigkeiten haben.

Auf diese Weise sind Handlungen eine Methode, die karmische Vision zu ändern und eine der Arten der variativen Zukunft zu betreten. Dank des Vollziehens irgendwelcher Handlungen mit Körper, Sprache und Gedanken verschieben Sie Ihr Bewusstsein in die karmische Vision, in der eine solche Zukunft existiert. Auf diese Art erschafft jeder Akt des Bewusstseins neue variative Universen, jede Handlung ruft eine Kaskade, eine Kette an neuen variativen Universen ins Leben. Diese Universen ähneln unserem jetzigen, in dem wir leben, aber sie weisen ein wenig andere Varianten der Ereignisentwicklung auf. So gesehen kann man sagen: Je stärker wir unser Bewusstsein und unsere karmische Vision verändern, desto stärker fällt die Verschiebung der variativen Universen aus.

Angenommen, in irgendeinem variativen Universum gibt es eine Variation, in der Sie einen Regenbogenkörper erreichen und zu einem voll erleuchteten Deva werden, aber um in dieses variative Universum zu geraten, müssen Sie Ihr Bewusstsein sehr tief und sehr stark verschieben. Sie müssen in eine vollkommen andere karmische Vision hineingehen. Sie müssen sich sehr in die Praxis vertiefen und ein vollkommener Meister werden. Wenn Sie keine solche Meisterschaft erreichen, dann gelangen Sie nicht in diese Variante der Ereignisse, Sie erreichen etwas dazwischen.

Die Theorie des Drishti-Srishti-Vadas ist sehr komplex. Man muss ein sehr unvoreingenommenes Bewusstsein und eine hohe Klarheit des Intellekts besitzen, um sie zu verstehen. Nichtdestotrotz ist diese Theorie der wahren Realität, wie sie ist, am nächsten.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung wird in der Theorie des Drishti-Srishti-Vadas wie folgt interpretiert:

„Eine Ursache, die durch irgendeine Handlung oder irgendeinen Gedanken geschaffen wurde, gebiert keine festgelegte Wirkung, sondern stimuliert (aktualisiert) schon in Zeit und Raum existierende neue Universen mit anderen Charakteristiken. Da sie nur ein Katalysator ist, gebiert diese Ursache ihre Wirkung nicht direkt, sondern indirekt. Die geschaffene Ursache ist das Ende eines Universums einer karmischen Vision und der Anfang eines anderen. Das bedeutet, dass jede wesentliche Handlung, die eine gewichtige Ursache produziert, das Bewusstsein verändert. Eine Veränderung im Bewusstsein ist ein Akt des sofortigen Erschaffens eines neuen Universums mit neuen Möglichkeiten. Auf diese Weise bekommen wir einen Schlüssel zur Veränderung unseres eigenen Schicksals und unserer eigenen Welt. Wir verstehen, dass sich dieser Schlüssel in unserem eigenen Bewusstsein befindet. Indem wir uns von innen verändern, verändern wir auch unsere Umwelt, unsere Gegenwart und Zukunft und sogar die Vergangenheit“. „Parasattarka-Logik“ (Teil 2)

Warum können wie sie verändern? Weil alle Variationen des Raumes und der Zeit bereits zur gleichen Zeit existieren, und die Variante der Ereignisse, die wir aussuchen, von unserer richtigen oder falschen Wahl abhängt.

Bestimmte Handlungen, die eine Ursache geschaffen haben, gebären keine feste Wirkung, sondern stimulieren und offenbaren ein „neues“ bereits existierendes Universum oder einen neuen Zweig von Universen mit anderen karmischen Visionen und dementsprechend neuen Knoten von Ereignissen auf Ebene der Sicht eines Individuums, die diesem dann als Konsequenzen erscheinen, die im bisherigen Universum seiner karmischen Vision entstanden sind. Der Anschein ist, dass die Wirkung im gleichen Universum seiner karmischen Vision entstanden ist, und dass eine Ursache einfach eine Wirkung herbeigeführt hat. Aber in Wahrheit ist es, wie schon erklärt, nicht so. Eine Wirkung ist keine Wirkung an sich, sondern ein neues Ergebnis der karmischen Vision eines anderen Universums, das wegen der Veränderung des Bewusstseins entstanden ist.

Mit anderen Worten: Wenn Sie fleißig im Retreat praktiziert und eine neue Erfahrung gewonnen haben, befinden Sie sich nicht mehr in derselben Welt wie vor zwei Wochen. Ihr karmisches Universum verschob sich ein wenig und in Ihrem Feld der Zukunft begannen Varianten neuer zukünftiger Ereignisse Gestalt anzunehmen.

Ein Mönch hat mir erzählt, dass ihm vorhergesagt worden war, dass er siebzig Jahre alt wird. Als er im Halbjahresretreat praktizierte, sammelte er verschiedene Erfahrungen, mit denen er die Linie seines Schicksaals änderte. Nachdem er aus dem Retreat herausgekommen war, sagte er, dass sein Schicksal sich verändert hätte, seine Lebensdauer hätte sich verlängert und er sei in ein Universum eingetreten, in dem seine Lebensdauer nicht siebzig, sondern neunzig Jahre beträgt.

Es gibt karmische Dimensionen, in denen wir unsterblich oder Götter sind. Man muss sie nicht erschaffen, sie existieren schon, aber sie existieren verdeckt, latent, in Form einer bestimmten Spur. Man kann sie in einem Moment aktivieren, aber man muss das Bewusstsein dahin verlagern und in dieses karmische Universum hineingehen. Um das Bewusstsein zu verschieben, muss man ein sehr tiefes Gewahrsein erreichen und eine sehr tiefe Absicht gebären.

„ Eine Handlung als solche determiniert keine festen zukünftigen Ursachen und Wirkungen, weil sie nur den Zugang zu neuen Zweigen anderer karmischen Universen mit neuen Möglichkeiten und Charakteristiken eröffnet. Dadurch kann man die Relativität des Ursache-Wirkungs-Gesetzes erklären: den Unterschied in der karmischen Verantwortung verschiedener Wesen für die ein und dieselbe Handlung“. („Parasattarka-Logik“, Teil 2)

Jedes Lebewesen unterliegt dem Gesetz des Karmas nicht in Abhängigkeit von den Ursachen und Handlungen selbst, sondern anhängig davon, in welchem Umfang es das einheitliche Prinzip des Bewusstseins, die höchste Quelle, für sich eröffnet hat.

Wenn zum Bespiel ein gewöhnlicher Mensch irgendeine Handlung vollbringt, kann dies für ihn verdienstvoll sein oder auch eine Sünde, je nach seiner karmischen Vision. Wenn eine Gottheit die gleiche Handlung vollbringt, kann dies für sie ein Verdienst sein.

Zum Beispiel ist vom Standpunkt gewöhnlicher Menschen ein Diebstahl ein schlechtes Karma, eine Sünde, etwas, das ein Karma der hungrigen Geister erschafft. Man sagt, dass ein Mensch, der stiehlt, als Preta, als hungriger Geist, wiedergeboren wird. Aber gleichzeitig lesen wir in den heiligen Schriften, dass Krishna Butter von den Gopis klaute. Krishna ist eine Gottheit, deswegen ist sein Stehlen so etwas wie ein Spiel, eine Unterhaltung. Deswegen wurden alle fröhlich, wenn er Butter stahl, es war wie eine Segnung. Natürlich trug er keine karmische Verantwortung für seine Taten. Oder es wird gesagt, dass die Gopis ihre Ehemänner verließen und Krishna trafen. Vom Standpunkt der Gesetze der damaligen Zeit aus gesehen, war das nicht richtig. Aber vom Standpunkt der Heiligen aus wird dies als die Hingabe der Seele an Gott gesehen, in der es nichts menschliches gab – und deswegen war es ein Verdienst.

Das Bewusstsein eines gewöhnlichen, nicht erleuchteten Wesens bewegt sich in der Peripherie der Einheitssphäre. Wenn es sich bewegt, aktiviert es verschiedene Varianten von Ereignissen und unterliegt ihnen. Was bedeutet es, Gewahrsein zu erreichen, Erleuchtung zu erlangen und sich mit der Einheitssphäre zu vereinigen? Es bedeutet, sich nicht in der Peripherie zu bewegen, sondern ins Zentrum der Einheitssphäre zu gelangen, eins zu werden mit dem höchsten Bewusstsein.

Wenn ein Yogi ins Zentrum der Einheitssphäre vordringt, verfügt er über ein unendliches Spektrums an Möglichkeiten, er unterliegt nicht mehr den Konsequenzen von Zeit und Raum, von Ursachen und Wirkung. Ein Yogi, der sich im natürlichen Zustand des „Ich bin“-Gewahrseins befindet, verlässt die Bedingtheiten des Samsara, befreit sich von den starken Begrenzungen von Raum und Zeit und wird fähig, Zeit und Raum gemäß seinen Absichten zu formen.

Auch wenn Sie etwas intellektuell nicht begreifen konnten, versuchen Sie zu verstehen, dass man diese Lehre auf einer tieferen intuitiven Ebene erfahren muss. Wenn Sie den Kern der Lehre intuitiv begreifen, werden alle intellektuellen Gebäude für Sie klar. Wenn Sie die Welt mit gewöhnlichen Augen sehen, sind Sie vom Prinzip von Ursache und Wirkung, vom Gesetz des Karmas, abhängig. Wenn Sie ein Ereignis oder ein Objekt mit den Augen der Ewigkeit, der Unendlichkeit, des Spiels und des Einheitsgeschmacks wahrnehmen, dann nähern Sie sich der Einheitssphäre an, und beginnen, die Bedingtheit zu verlassen. Das ist eine Ansicht, an die wir uns in Form der Drishti-Srishti-Vada-Theorie halten.

Es gibt noch eine höhere Theorie. Man nennt sie Ajati-Vada. Ajati-Vada wurde von den Weisen alter Zeiten formuliert, u.a. vom Lehrer Gaudapada, der Govinda unterrichtet hat, und Govinda war der Lehrer von Shankara. Sie wurde im Text des Mandukya-Karika und in anderen Texten formuliert. Die Theorie des Ajati-Vada besagt, dass nichts erschaffen wird und nichts zerstört wird. Das Universum hat nie existiert, das Leben hat nie existiert, auch nicht der Tod. Dies sind alles Projektionen des Bewusstseins, Spiel des Einheitsbewusstseins. Die Ajati-Vada-Theorie gilt als von gewöhnlichen Wesen nicht begreifbar, deswegen werden wir lieber nicht versuchen, sie intellektuell zu diskutieren. Die Sicht von Ajati-Vada erreicht man bei der Realisation.

Ajati-Vada ist eine Kulmination, die Spitze spiritueller Sichtweise. Die Theorie des Drishti-Srishti-Vada ist das, was wir bis zu einem gewissen Grad verstehen und sogar in der Praxis nutzen können. Die gewöhnliche Theorie der allmählichen Schöpfung des Universums (Srishti-Drishti-Vada) ist das, was wir im Alltagsleben, in der relativen Dimension und in gewohnten Alltagssituationen nutzen.

(Text aus der Vorlesung von Satguru Swami Vishnudev im Retreat in Sankt Petersburg am 3.2.2005)


Nachschrift


Ein neues Modell des Universums


Vor 45 Jahren publizierte der junge Physiker Hugh Everett, der in einer der renommiertesten Universitäten der USA, in Princeton, arbeitete, eine wissenschaftliche Arbeit unter dem Titel „Formulierung der Quantenmechanik durch den Begriff des Entsprechungszustandes“. Diese Arbeit hatte den Effekt eines Donners aus heiterem Himmel und war für die Physiker eine Sensation. Die Theorie Hugh Everetts gilt bis heute als die radikalste Hypothese in der Welt der Wissenschaft, die bislang nicht widerlegbar war.

Die Quantenmechanik, die ohnehin bereits komplex genug ist, hat mit der Theorie Everetts ihren Höhepunkt erreicht. Die Aussagen der Theorie der Quantenmechanik von Everett stellen alle unsere Vorstellungen über das Universum auf den Kopf. Deswegen hatte diese Theorie viele Gegner unter den herausragenden Wissenschaftlern, aber keinem gelang es, einen Fehler zu finden.

Die Theorie von Everett wurde von seinem Lehrer, John Wheeler, und dem Nobelpreisträger Niels Bohr, zu dem nach Kopenhagen der junge Wissenschaftler gereist war, analysiert. Ginsburg, DeWitt, Prigosin und Sklovskij studierten diese Theorie und kamen zum Entschluss, sie sei fehlerfrei. Wheeler verglich Everett mit Newton und Einstein.

Der wissenschaftliche Aufbau Everetts basiert auf einem sehr komplexen mathematischen Apparat. Der Kern ist jedoch folgender:

In der orthodoxen Mechanik wird angenommen, dass Ereignisse unabhängig vom Beobachter verlaufen. Einstein hat eine Korrektur vorgenommen – die Berücksichtigung der Geschwindigkeit des Beobachters – indem er seine Relativitätstheorie geschaffen hat. Everett überholte Einstein und ist weiter gegangen. Er stützte sich auf komplexe mathematische Modelle und bewies, dass der Prozess des Beobachtens eines jeden äußeren Objekts eine zweiseitige Interaktion ist, die sowohl den Zustand des beobachtenden Objekts als auch den des Beobachters verändert.

Von diesem Standpunkt aus ist im Universum alles mit allem verbunden. Ein Mensch, der ein Mikroteilchen, eine Zelle beobachtet, unterliegt ihrer Wirkung und verändert sie dadurch gleichzeitig, während er sie beobachtet. Das gleiche gilt in Bezug auf Makroobjekte und alle physischen Erscheinungen.

Als Beobachter kann nicht nur ein Mensch fungieren, sondern auch jedes mechanische oder elektronische System, das Ergebnisse herausarbeitet.

In der gewöhnlichen Quantenmechanik wird nur die Dimension des äußeren Objekts berücksichtigt. In der Quantenmechanik wird der Zustand von jedem Teil des Paares Objekt-Beobachter verändert. Zum Bespiel können Ergebnisse, die ein genialer Wissenschaftler während eines Experiments erhält, auch bei den gleichen Bedingungen für das Experiment nicht von einem Studenten oder von einem gewöhnlichen Menschen hervorgebracht werden.

Der geniale Einstein bot seine Quantenmechanik als vorübergehendes Mittel an, bis die Wissenschaft zur vollständigen Vorstellung über die Realität des Universums gelangt. Einige Wissenschaftler meinen, dass Quantenmechanik von Everett diese vollständige Vorstellung über die Realität ist.

Eine der Hauptgrundlagen der neuen Theorie ist das Axiom über die Verzweigung bzw. Aufsplittung, die bei der Interaktion von Objekts und Beobachter stattfindet. Bei jeder Veränderung verzweigt sich das Universum, wie schockierend das auch klingen mag, in eine Reihe anderer paralleler Universen.

An den Punkten der Verzweigung entstehen neue Klons von Universen. Sie duplizieren das vorherige Universum, aber mit einer kleinen Korrektur, die auf das Bewusstsein des Beobachters wirkt.

Auf diese Weise besteht die ganze Welt aus nichts anderem als aus Kaskaden unzähliger Ursache-Wirkungs-Ketten, aus denen unzählige Variationen von Everett-Universen entstehen.

Die Everett-Theorie gebiert eine Masse an Schlussfolgerungen, die selbst die radikalsten Wissenschaftler sprachlos machen. Zum Bespiel erklärt sie auch die unkontrollierte Verwerfung von Ergebnissen im Verlauf von Experimenten – eine sensible Frage in der Physik.

Sie erklärt verschiedene merkwürdige Phänomene wie fliegende Untertassen, anormale Zonen, temporäre Effekte, Geistererscheinungen usw. Am schwersten zu begreifen ist nach der Everett-Theorie, dass nicht nur die Zukunft variativ ist, sondern auch die Vergangenheit. Dafür wurde der Begriff der „psychologische Zeit“ für jeden Beobachter eingeführt.

Das heißt, dass die Geschichte sich real verändern kann, abhängig davon, wer sie schreibt oder analysiert. In der Theorie von Everett wird erklärt, warum die Geschichte nicht eindeutig, sondern widersprüchlich und verworren ist.

In der heutigen Zeit bekommt die Theorie über die Vielfältigkeit des Universums immer mehr Anhänger und wird zu einem allgemein anerkannten Axiom in der Welt der Physik.

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